In der Nacht auf Montag, den 19. Oktober 2026, veröffentlicht das chinesische Statistikamt die Wachstumszahlen für das dritte Quartal. Um 4:00 Uhr deutscher Zeit stehen damit die ersten wichtigen Konjunkturdaten der neuen Handelswoche an, noch bevor in Frankfurt der Vorbörsenhandel beginnt. Für Trader ist der Termin aus mehreren Gründen relevant: China ist ein zentraler Absatzmarkt für deutsche Autobauer und Maschinenbauer, beeinflusst die Nachfrage nach Rohstoffen und steht wegen seines gewaltigen Handelsüberschusses zunehmend unter politischem Druck.
Was Ökonomen für das dritte Quartal erwarten
Laut einer Reuters-Umfrage unter 50 Ökonomen, über die unter anderem IndexBox am 15. Oktober berichtete, dürfte die chinesische Wirtschaft von Juli bis September um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen sein. Im zweiten Quartal lag das Plus bei 4,3 Prozent, dem schwächsten Wert seit mehr als drei Jahren. Im Vergleich zum Vorquartal erwarten die Volkswirte ein Wachstum von 1,1 Prozent nach 0,9 Prozent im Frühjahr.
Damit würde das Wachstum zwar leicht anziehen, aber erneut unter der Untergrenze des offiziellen Jahresziels bleiben. Peking peilt für 2026 ein Plus zwischen 4,5 und 5,0 Prozent an. Für das Gesamtjahr rechnen die befragten Ökonomen im Mittel mit genau 4,5 Prozent, für das vierte Quartal ebenfalls mit 4,5 Prozent. Noch im Juli hatte die Prognose für das dritte Quartal bei 4,6 Prozent gelegen, die Erwartungen wurden also zurückgenommen.
Goldman Sachs verweist laut dem Bericht darauf, dass ein zweites Quartal in Folge unter 4,5 Prozent den Druck auf die Regierung erhöht. Die Umsetzung zusätzlicher Konjunkturhilfen werde allerdings durch die schwachen Investitionsanreize der Lokalregierungen gebremst. Michelle Lam von Société Générale hält das Ziel für 2026 für erreichbar, sieht 2027 aber als größere Herausforderung.
Exportboom überdeckt schwache Binnennachfrage
Ein Grund für die leicht besseren Erwartungen sind die Handelsdaten, die bereits am 13. Oktober veröffentlicht wurden. Chinas Exporte stiegen im September laut Zollbehörde um 36,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Erwartet worden war laut Trading Economics ein Plus von rund 25,5 Prozent. Die Importe legten um 31 Prozent zu. Der monatliche Handelsüberschuss erreichte 133,5 Milliarden Dollar.
Treiber war vor allem die weltweite Nachfrage nach Komponenten für Rechenzentren und KI-Infrastruktur. Nach Angaben von Fortune stiegen die Halbleiterexporte in den ersten neun Monaten um 108,1 Prozent, die Autoexporte um 54,3 Prozent. Der kumulierte Überschuss von Januar bis September summiert sich auf 938 Milliarden Dollar. Damit ist der Rekord aus dem Gesamtjahr 2025 von 1,2 Billionen Dollar in Reichweite.
Hinter den starken Exportzahlen bleibt das Bild im Inland jedoch schwach. Der private Konsum und die privaten Investitionen leiden weiter unter der langen Immobilienkrise. Ende September reagierte Peking deshalb mit gezielten Zinssenkungen, Hilfen für Hypothekenschuldner und der Umwidmung von 550 Milliarden Yuan aus ungenutzten Verschuldungsspielräumen für Lokalregierungen und Infrastruktur. Wie stark diese Maßnahmen bereits im dritten Quartal wirken, dürfte eine der zentralen Fragen am Montag sein.
Warum die Daten für DAX und Rohstoffe wichtig sind
Für den deutschen Aktienmarkt ist China gleich doppelt relevant. Einerseits sind Autobauer, Chemiekonzerne und Maschinenbauer auf die chinesische Nachfrage angewiesen. Andererseits wird die Konkurrenz durch chinesische Exporte größer. Die EU hat mit Peking nach Angaben von Fortune bereits vereinbart, die Einfuhren chinesischer Hybridfahrzeuge in den kommenden Jahren zu halbieren. Der DAX war am Freitag, dem 16. Oktober, mit 25.622,61 Punkten und einem Wochenplus von 2,13 Prozent ins Wochenende gegangen, getragen auch von Autowerten. Einen Überblick über alle weiteren Termine der Woche bietet unser Ausblick auf die Börsenwoche vom 19. bis 23. Oktober.
Auch an den Rohstoffmärkten wird genau hingeschaut. China ist der größte Ölimporteur der Welt und ein wichtiger Abnehmer von Industriemetallen wie Kupfer. Die Nordseesorte Brent hatte am 16. Oktober wegen der Angriffe in der Straße von Hormus erstmals seit Mai die Marke von 110 Dollar je Barrel überschritten. Schwächere Wachstumszahlen aus China könnten die Nachfrageerwartungen dämpfen, während ein positiver Ausreißer das Gegenteil bewirken könnte. Wie große Marktteilnehmer bei Öl und Kupfer positioniert sind, zeigen die wöchentlichen COT-Daten.
Weitere Daten am Montag im Blick
Zusammen mit dem Bruttoinlandsprodukt veröffentlicht China traditionell auch die Monatsdaten für September zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Anlageinvestitionen. Gerade die Einzelhandelsumsätze gelten als Gradmesser dafür, ob die Binnennachfrage aus ihrer Schwächephase herausfindet. Alle Uhrzeiten und Konsensschätzungen finden sich im Wirtschaftskalender.
Worauf Trader achten sollten
Entscheidend dürfte weniger die Kennzahl selbst sein als die Abweichung von den Erwartungen und die Zusammensetzung des Wachstums. Ein Plus, das fast ausschließlich vom Export getragen wird, verschärft die Debatte über Handelsungleichgewichte mit Europa. Ein Anziehen von Konsum und Investitionen wäre dagegen ein Hinweis darauf, dass die Konjunkturhilfen greifen.
Wer am Montagmorgen sehen will, welche Sektoren auf die Daten reagieren, findet in der Heatmap einen schnellen Überblick. Rund um Konjunkturdaten können Kurse sprunghaft reagieren. Bei Hebelprodukten wie CFDs erhöht das das Verlustrisiko deutlich, ein konsequentes Risikomanagement bleibt daher wichtiger als jede Einschätzung zur Richtung.








