Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter hat am 15. Oktober 2026 erneut geliefert. TSMC meldete für das dritte Quartal den sechsten Rekordgewinn in Folge und hob den Ausblick für das Schlussquartal deutlich an. An der Börse half das kaum: Die ADR in New York gaben im Tagesverlauf rund 2 Prozent nach, und der Philadelphia Semiconductor Index steuerte auf eine lange Verlustserie zu. Für Trader ist dieser Widerspruch zwischen starken Zahlen und schwacher Kursreaktion die eigentliche Nachricht.
Die Zahlen: Umsatz plus 50,9 Prozent
Laut dem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Quartalsbericht erzielte TSMC von Juli bis September einen Umsatz von 1.494,24 Milliarden Taiwan-Dollar. Das sind 50,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In US-Dollar gerechnet stieg der Umsatz auf 46,72 Milliarden Dollar, ein Plus von 41,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 16,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Der Nettogewinn kletterte um 68,7 Prozent auf 763,06 Milliarden Taiwan-Dollar. Je ADR entspricht das einem Gewinn von 4,60 Dollar. Die Profitabilität bleibt außergewöhnlich hoch: Die Bruttomarge lag bei 66,4 Prozent, die operative Marge bei 58,7 Prozent und die Nettomarge bei 51,1 Prozent.
Fortschrittliche Fertigung dominiert
Bemerkenswert ist der Technologiemix. Chips aus der 2-Nanometer-Fertigung machten bereits 8 Prozent des Waferumsatzes aus. Auf 3 Nanometer entfielen 33 Prozent, auf 5 Nanometer 28 Prozent und auf 7 Nanometer 10 Prozent. Zusammen kommen die fortschrittlichen Verfahren damit auf 79 Prozent. Das Segment High Performance Computing, zu dem die KI-Beschleuniger gehören, wuchs laut Telefonkonferenz um 22 Prozent zum Vorquartal und stellt inzwischen 68 Prozent des Umsatzes.
Ausblick: Bis zu 54,3 Milliarden Dollar im vierten Quartal
Für das vierte Quartal erwartet TSMC einen Umsatz zwischen 52,3 und 54,3 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge soll zwischen 65 und 67 Prozent liegen, die operative Marge zwischen 56,5 und 58,5 Prozent. Grundlage ist ein Wechselkurs von 31,8 Taiwan-Dollar je US-Dollar.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management nun mit einem Umsatzwachstum von rund 44 Prozent in US-Dollar. Das Investitionsbudget bestätigte TSMC in einer Spanne von 60 bis 64 Milliarden Dollar. Konzernchef C.C. Wei sagte in der Telefonkonferenz, die Nachfrage sei „sehr, sehr hoch" und die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage weiterhin groß. Auf die Frage, ob die bisherige Annahme eines jährlichen Wachstums bei KI-Beschleunigern im mittleren bis hohen 50-Prozent-Bereich bis 2029 zu niedrig sei, antwortete Wei, das Wachstum werde „wahrscheinlich höher" ausfallen. Eine neue Zahl nannte er nicht.
Warum die Aktie trotzdem fiel
Drei Faktoren erklären die verhaltene Reaktion.
Margendruck: Die Bruttomarge sank im Vergleich zum Vorquartal um 1,3 Prozentpunkte. TSMC begründet das vor allem mit dem teuren Hochlauf der 2-Nanometer-Fertigung. Auch die Prognose für das vierte Quartal nennt eine fortgesetzte Verwässerung durch 2 Nanometer und die Auslandswerke, etwa in Arizona.
Hohe Erwartungen: Nach einer langen Rally ist viel Optimismus eingepreist. Ein Rekord allein reicht dann oft nicht, der Markt achtet stärker auf Margen und Details.
Schwaches Umfeld für Chipwerte: Seit Tagen stehen KI- und Halbleiteraktien unter Druck. Bereits am 15. Oktober fiel der koreanische Kospi um rund 8 Prozent, Samsung und SK Hynix verloren zwischen 9 und 11 Prozent. Hintergrund sind Sorgen um die Schuldenfinanzierung des KI-Ausbaus. Mehr dazu lesen Sie in unserer Analyse zum Kospi-Crash bei Chipaktien.
Erzeugerpreise verschärfen die Zinssorgen
Zusätzlichen Gegenwind lieferten die US-Erzeugerpreise für September, die ebenfalls am 15. Oktober veröffentlicht wurden. Der Produzentenpreisindex stieg um 1,3 Prozent zum Vormonat. Das war der stärkste Monatsanstieg seit März 2022. Auf Jahressicht lagen die Erzeugerpreise 6,3 Prozent höher, der höchste Wert seit mehr als vier Jahren.
Schon am Vortag hatten die Verbraucherpreise überrascht, wie wir im Artikel zur US-Inflation im September beschrieben haben. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel am 15. Oktober dennoch auf rund 5,09 Prozent. Viele Anleger schichteten aus Technologiewerten in Anleihen und defensive Sektoren um.
So schlossen die US-Indizes am 15. Oktober
Unter dem Strich ergab sich ein gemischtes Bild. Der Dow Jones legte um 1,08 Prozent auf 52.177,69 Punkte zu. Der S&P 500 gewann 0,33 Prozent auf 7.744,06 Punkte, die Nasdaq schloss nahezu unverändert mit plus 0,08 Prozent bei 26.713,03 Punkten. Die Nasdaq hatte im Handelsverlauf zeitweise mehr als 1 Prozent verloren. Bei den Speicherwerten stieg Micron um 1,87 Prozent, Seagate und Western Digital gaben nach. Wie sich die Sektoren im Detail bewegen, zeigt unsere Heatmap.
Worauf Trader jetzt achten
Die TSMC-Zahlen gelten als Frühindikator für die gesamte KI-Lieferkette. Kunden wie Nvidia, AMD und Apple lassen ihre wichtigsten Chips dort fertigen. Die Kombination aus Rekordumsatz, angehobenem Ausblick und gleichzeitig sinkender Marge dürfte die Diskussion über Bewertungen im Halbleitersektor weiter prägen.
In den kommenden Wochen folgen weitere Quartalsberichte aus der Technologiebranche. Termine finden Sie im Quartalszahlen-Kalender. Einen Überblick über die übrigen Termine dieser Woche bietet unsere Börsenwoche vom 12. bis 16. Oktober. Makroseitig bleibt die Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober der nächste große Termin.
Hinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Kursbewegungen rund um Quartalszahlen können besonders stark ausfallen.








