Die US-Notenbank hat am Mittwoch, 28. Oktober 2026, die Leitzinsen unverändert gelassen. Der Zielkorridor für die Federal Funds Rate bleibt bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Ruhig war die Sitzung trotzdem nicht: Zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten gegen die Pause und hätten die Zinsen lieber um einen Viertelprozentpunkt angehoben. Am Terminmarkt gilt eine Zinserhöhung im Dezember inzwischen als sehr wahrscheinlich.
Für Trader verschiebt sich damit der Blick. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Fed noch einmal nachlegt, sondern wann. Gleichzeitig hat Fed-Chef Kevin Warsh eine Reform angekündigt, die den Sitzungskalender ab 2027 verändert.
Die Entscheidung im Überblick
Laut offiziellem Statement fiel die Entscheidung mit 10 zu 2 Stimmen. Gouverneurin Lisa Cook und die Präsidentin der Cleveland Fed, Beth Hammack, votierten für eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Die Mehrheit wollte dagegen zunächst weitere Daten abwarten.
Die wichtigsten Punkte aus dem Statement:
Wachstum: Die Wirtschaft expandiert nach Einschätzung der Fed in kräftigem Tempo, getragen von starker Inlandsnachfrage und hohen Investitionen.
Arbeitsmarkt: Die Beschäftigung wächst etwa im Gleichschritt mit dem Arbeitskräfteangebot, die Arbeitslosigkeit ist stabil.
Inflation: Die Teuerung liegt weiter über dem Ziel von 2 Prozent.
Ausblick: Weitere Informationen sollen helfen, den Kurs zu bestimmen, der eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zum Zielwert sicherstellt.
Zur Einordnung: Im September hatte die Fed die Zinsen erstmals seit Juli 2023 wieder angehoben. Die US-Verbraucherpreise lagen zuletzt bei 3,7 Prozent, wie wir in unserer Analyse der September-Inflation beschrieben haben.
Was Warsh auf der Pressekonferenz sagte
Kevin Warsh betonte, dass die Geldpolitik zu wirken beginne. Die „monetäre Medizin" zeige erste Effekte, die Inflation sei aber weiterhin erhöht. Die Finanzierungsbedingungen wollte er ausdrücklich nicht als straff bezeichnen. Das ist ein Satz, den Marktteilnehmer als Hinweis lesen, dass die Fed noch Spielraum nach oben sieht.
Deutlich wurde Warsh auch beim Thema Politik. Die Sitzung fand sechs Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November statt. Politik habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, sagte er. In zwei Tagen Beratung habe er dazu „keine einzige Äußerung" gehört. Die kommenden Wochen bezeichnete er als datenreiche Phase.
Seine Linie zur Kommunikation bleibt unverändert: Warsh hält wenig von Forward Guidance, also von Signalen über den künftigen Zinspfad. Außerhalb von Krisen will er sich nicht festlegen. Für Trader heißt das, dass einzelne Datenveröffentlichungen stärker als früher über die Erwartungen entscheiden.
Neuer Sitzungsrhythmus ab 2027
Eine strukturelle Neuerung kündigte Warsh ebenfalls an. Die Fed bleibt bei acht Treffen pro Jahr. Ab 2027 soll sich jedoch eines davon ausschließlich der geldpolitischen Strategie widmen, ohne Zinsentscheid und ohne Statement. Damit gibt es künftig weniger Termine, an denen sich der Leitzins tatsächlich ändern kann. Für 2028 steht laut Berichten sogar ein Kalender mit nur sechs Zinsentscheiden im Raum.
So reagierten die Märkte
Die Reaktion fiel zunächst verhalten aus. Der S&P 500 schloss rund 0,3 Prozent höher, auch Nasdaq und Dow legten leicht zu. Am Anleihemarkt stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 5,04 bis 5,05 Prozent, die 30-jährige Rendite lag bei etwa 5,33 Prozent. Die zweijährige Rendite gab dagegen leicht nach. Der US-Dollar verlor während der Pressekonferenz gegenüber dem Euro etwas an Boden, Gold stand wegen der höheren Renditen unter Druck.
Bemerkenswert ist die Bepreisung am Terminmarkt. Nach dem CME FedWatch Tool lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte bei der nächsten Sitzung am 9. Dezember bei rund 85 Prozent. Die beiden Gegenstimmen haben diese Erwartung zusätzlich gestützt.
Die Fed-Entscheidung ging am Abend fast unter. Nach Börsenschluss legten Microsoft und Alphabet ihre Quartalszahlen vor. Microsoft stieg nachbörslich deutlich, Alphabet fiel um rund 10 Prozent. Für die Indizes dürfte das am Donnerstag mindestens so wichtig werden wie die Notenbank.
Was Trader jetzt im Blick behalten
Weil Warsh keine Hinweise auf den Zinspfad gibt, rücken die nächsten Wirtschaftsdaten in den Mittelpunkt. Inflations- und Arbeitsmarktzahlen vor dem 9. Dezember können die Dezember-Erwartung bestätigen oder kippen. Die Termine finden sich im Wirtschaftskalender.
Die Notenbankwoche ist zudem noch nicht vorbei. Am Donnerstag, 29. Oktober, entscheidet um 14:15 Uhr MEZ die EZB, am frühen Freitagmorgen folgt die Bank of Japan. Einen Überblick über die Ausgangslage gibt unser Artikel zur Zentralbank-Superwoche. Wer wissen will, wie große Spekulanten bei Zinsfutures und Währungen positioniert sind, findet Anhaltspunkte in den COT-Daten.
Zinsentscheidungen sorgen bei EUR/USD, Gold und Indizes regelmäßig für schnelle Kursbewegungen. Gerade mit Hebelprodukten können solche Schwankungen zu deutlichen Verlusten führen. Wer Notenbankphasen handelt, sollte Positionsgrößen und Kosten der Anbieter genau prüfen, etwa über die Broker-Topliste.









