Die Börsenwoche vom 19. bis 23. Oktober 2026 bringt die erste große Welle der Tech-Quartalszahlen. Netflix, Tesla, Meta und SAP legen ihre Bücher offen, und das zu einem heiklen Zeitpunkt: An der Wall Street hat die Debatte über die Bewertungen im KI-Sektor gerade die schwächste Woche seit Juni ausgelöst. Der DAX dagegen ging mit einem Wochenplus ins Wochenende. Für Trader stellt sich die Frage, ob die Berichtssaison die Nervosität dämpft oder verstärkt.
Rückblick: Tech-Ausverkauf in New York, DAX trotzt
Am Freitag, dem 16. Oktober, schloss der S&P 500 laut Associated Press und Yahoo Finance 1,1 Prozent tiefer bei 7.659,44 Punkten. Der Nasdaq Composite verlor 2,1 Prozent auf 26.140,03 Punkte, der Dow Jones gab um 0,3 Prozent auf rund 52.002 Punkte nach. Auf Wochensicht fiel die Nasdaq um 4,5 Prozent und der S&P 500 um 1,9 Prozent. Der Dow legte dagegen 0,7 Prozent zu, ein Zeichen für die Umschichtung aus Technologiewerten in defensivere Titel.
Treiber waren erneut Chip- und Softwareaktien. Laut Yahoo Finance verlor Palantir am Freitag 7 Prozent, CoreWeave knapp 12 Prozent. Der Halbleiter-ETF SOXX steuerte auf den neunten Verlusttag in Folge zu. Schon die starken Zahlen von TSMC hatten die Stimmung nicht drehen können, wie unser Bericht zum TSMC-Rekordquartal zeigt. Der Volatilitätsindex VIX sprang um gut 21 Prozent auf knapp 20 Punkte, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag bei 5,10 Prozent.
Zusätzlichen Druck brachte der Ölmarkt. Die Nordseesorte Brent erreichte nach Angaben von Yahoo Finance erstmals seit Mai wieder 110 Dollar je Barrel, nachdem die Angriffe in der Straße von Hormus zugenommen hatten. Gold notierte bei rund 4.187 Dollar je Feinunze, Bitcoin bei etwa 81.400 Dollar.
In Frankfurt sah das Bild freundlicher aus. Der DAX schloss am 16. Oktober 0,95 Prozent höher bei 25.622,61 Punkten und beendete die Woche mit einem Plus von 2,13 Prozent. Autowerte wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen profitierten von der deutsch-französischen Einigung zur Lockerung des Verbrenner-Aus, Rheinmetall war mit plus 6,3 Prozent Tagessieger. Der deutsche Handel war allerdings bereits beendet, als die Verluste an der Nasdaq sich ausweiteten. Ein Vergleich mit dem Wochenausblick zur Börsenwoche vom 12. bis 16. Oktober zeigt, wie stark sich die Lage binnen weniger Tage gedreht hat.
Die wichtigsten Quartalszahlen der Woche
Die Berichtssaison erreicht nach den Banken nun die großen Technologie- und Industriekonzerne. Den vollständigen Überblick bietet unser Quartalszahlen-Kalender.
Dienstag, 20. Oktober: Netflix, GM und Industriewerte
Vor der US-Eröffnung berichten General Motors, GE Aerospace, RTX und 3M. Nach Börsenschluss folgt Netflix. Analysten rechnen laut StockTitan mit einem Gewinn von 0,82 Dollar je Aktie. Im Fokus stehen Abonnentenentwicklung, Werbeerlöse und der Ausblick auf das Schlussquartal.
Mittwoch, 21. Oktober: Tesla, Meta, IBM und SAP
Der Mittwoch ist der wichtigste Tag der Woche. Nach US-Börsenschluss legen Tesla, Meta und IBM ihre Zahlen vor. Bei Meta dürften die Investitionen in KI-Rechenzentren besonders genau geprüft werden, da genau diese Ausgaben derzeit die Bewertungsdebatte im Sektor prägen. Bei Tesla gehen die veröffentlichten Konsensschätzungen deutlich auseinander, entscheidend dürften Margen und Auslieferungsausblick sein.
Für den DAX ist SAP der zentrale Termin. Der Softwarekonzern veröffentlicht seine Zahlen zum dritten Quartal am Abend des 21. Oktober. Nach dem Ausverkauf bei US-Softwarewerten dürfte die Reaktion der SAP-Aktie auch für die Stimmung im gesamten Index wichtig sein.
Donnerstag und Freitag: Konsumgüter und Kreditkarten
Am 22. Oktober folgen unter anderem Procter & Gamble, Union Pacific, Lockheed Martin und Comcast. Am Freitag, dem 23. Oktober, schließen American Express und SLB die Woche ab.
Konjunkturdaten: Inflation in Großbritannien, Einkaufsmanager in Europa
Im Wirtschaftskalender stehen vor allem internationale Termine. Am Montag, dem 19. Oktober, veröffentlicht China sein Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal sowie Daten zu Industrieproduktion und Einzelhandel. Am Dienstag folgen die ZEW-Konjunkturerwartungen für die Eurozone und die US-Baubeginne.
Am Mittwoch, dem 21. Oktober, kommen die britischen Inflationsdaten für September. Am Donnerstag stehen das Verbrauchervertrauen der Eurozone und die wöchentlichen US-Arbeitslosenanträge an. Der Freitag bringt die vorläufigen HCOB-Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, die japanischen Verbraucherpreise sowie die Verbraucherstimmung der Universität Michigan.
Worauf Trader jetzt achten
Die Ausgangslage ist gespalten. Während der DAX von Autowerten und Rüstungstiteln gestützt wird, kämpfen die US-Tech-Indizes mit steigenden Renditen, einem hohen Ölpreis und Zweifeln an der Finanzierung des KI-Ausbaus. Die Zahlen von Meta, Tesla und SAP können diese Debatte in beide Richtungen bewegen.
Wer die Sektorrotation verfolgen will, findet in der Heatmap einen schnellen Überblick, welche Branchen und Einzelwerte gerade gefragt sind und wo Kapital abfließt. Nach einem Anstieg des VIX auf fast 20 Punkte sind größere Kurssprünge rund um die Quartalszahlen möglich. Bei Hebelprodukten wie CFDs oder Optionsscheinen erhöhen solche Ausschläge das Verlustrisiko deutlich, ein konsequentes Risikomanagement ist daher wichtiger als jede Einschätzung zur Richtung.









