Die Wall Street geht mit Rückenwind in die neue Woche. Am Freitag, 9. Oktober, schloss der S&P 500 bei 7.811,54 Punkten und damit 0,6 % höher. Der Dow Jones gewann 0,8 % auf 51.654,95 Punkte, der Nasdaq Composite legte 0,6 % auf 27.366,17 Punkte zu. Auf Wochensicht steht beim S&P 500 ein Plus von 1,2 %. Ab Montag, 12. Oktober, wird der Rückenwind auf die Probe gestellt: Die US-Großbanken eröffnen die Berichtssaison zum dritten Quartal, und am Mittwoch folgen die Verbraucherpreise für September.
Montag: Börsen offen, Anleihemarkt geschlossen
In den USA ist am 12. Oktober Columbus Day. NYSE und Nasdaq handeln regulär, der US-Anleihemarkt bleibt dagegen geschlossen. Größere Konjunkturdaten oder Quartalszahlen stehen nicht an. Erfahrungsgemäß fehlen an solchen Tagen viele institutionelle Anleger. Dünne Umsätze können einzelne Bewegungen deshalb größer erscheinen lassen, als sie sind.
Dienstag: JPMorgan, Goldman, Wells Fargo und Citi
Am Dienstag, 13. Oktober, legen JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Wells Fargo und Citigroup ihre Zahlen vor. JPMorgan berichtet gegen 7:00 Uhr Ortszeit in New York und damit vor dem US-Handelsstart, in Deutschland ist es dann 13:00 Uhr. Bei den Erwartungen gehen die Schätzungen leicht auseinander. Je nach Quelle rechnen Analysten bei JPMorgan mit einem Gewinn zwischen 5,80 und 5,90 Dollar je Aktie und einem Umsatz von rund 51 Mrd. Dollar. Bei Goldman Sachs liegen die Schätzungen bei etwa 16 Dollar je Aktie.
Für Trader zählen weniger die Schlagzeilen zum Gewinn als drei Detailpunkte:
Zinsüberschuss
Mit Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen über 5 % können Banken für Kredite mehr verlangen. Gleichzeitig ziehen kurz laufende Staatsanleihen Einlagen ab. Wie sich beides im Zinsüberschuss niederschlägt, ist eine der spannendsten Fragen der Woche.
Investmentbanking und Handel
Hier sind die Signale gemischt. JPMorgan hatte für Investmentbanking und Handel ein Plus im mittleren bis hohen zehnprozentigen Bereich in Aussicht gestellt. Bank of America erwartet dagegen 10 bis 20 % weniger Gebühren im Investmentbanking. Der Ausblick der Vorstände auf das Schlussquartal dürfte die Kurse stärker bewegen als die Zahlen selbst.
Kreditvorsorge
Der US-Arbeitsmarkt hat sich deutlich abgekühlt. Im September entstanden nur 29.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 %. Hintergründe dazu stehen in unserem Artikel zum US-Jobreport für September. Steigende Rückstellungen für faule Kredite wären ein Hinweis darauf, dass die Banken mehr Druck bei Verbrauchern erwarten.
Mittwoch: US-Inflation, Bank of America und Morgan Stanley
Der wichtigste Termin der Woche ist der US-Verbraucherpreisindex für September am Mittwoch, 14. Oktober, um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Laut den von CMC Markets zusammengefassten Prognosen soll die Gesamtrate auf Monatssicht um 0,6 % steigen, nach 0,4 % im August. Die Jahresrate würde damit von 3,4 auf 3,6 % klettern. Für die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel liegt der Konsens bei 0,2 % zum Vormonat und 2,5 % zum Vorjahr, nach 2,4 %.
Die große Lücke zwischen Gesamt- und Kernrate zeigt, dass vor allem Energie die Teuerung treibt. Für die Notenbank ist das eine heikle Lage. Im Protokoll der Fed-Sitzung vom September war eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende ausdrücklich Thema. Fällt die Kernrate höher aus als erwartet, dürfte diese Debatte neuen Schwung bekommen. Ein schwächerer Wert würde dagegen Spielraum für eine längere Pause schaffen. Beides kann Anleihen, den Dollar, Gold und Wachstumsaktien innerhalb von Minuten bewegen.
Am selben Tag berichten Bank of America und Morgan Stanley. Damit treffen am Mittwoch Inflationsdaten und Bankenzahlen direkt aufeinander.
Donnerstag und Freitag: TSMC und Europa
Am Donnerstag, 15. Oktober, legt TSMC die Zahlen zum dritten Quartal vor. Die Telefonkonferenz beginnt um 14:00 Uhr Ortszeit in Taipeh und damit am Morgen nach deutscher Zeit. Nach dem Ausverkauf bei Chipwerten Anfang Oktober gilt der Ausblick des weltgrößten Auftragsfertigers als wichtiger Gradmesser für die Nachfrage nach KI-Chips. Am selben Tag berichten in den USA unter anderem U.S. Bancorp und Charles Schwab.
Am Freitag, 16. Oktober, folgen die endgültigen Verbraucherpreise für die Eurozone. Damit endet eine Woche, in der Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks im Mittelpunkt steht.
Was Trader im Blick behalten sollten
Die Kombination aus Bankenzahlen und Inflationsdaten am selben Mittwochmorgen ist ungewöhnlich dicht. Wer kurzfristig handelt, sollte die Zeiten im Wirtschaftskalender und die Termine im Quartalszahlen-Kalender parallel verfolgen. Rund um 14:30 Uhr deutscher Zeit am 14. Oktober sind sprunghafte Kurse und größere Spreads möglich. Welche Sektoren auf die Daten reagieren, zeigt die Heatmap auf einen Blick.
Positionen mit Hebel, etwa über CFDs, reagieren auf solche Ausschläge besonders stark. CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit einem hohen Risiko schnell Geld zu verlieren einher. Ein klarer Plan für Positionsgröße und Stopps ist in einer solchen Woche wichtiger als jede Prognose.








