Netflix hat am 20. Oktober 2026 nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Auf den ersten Blick ein starkes Zahlenwerk: Der Gewinn je Aktie lag über den Erwartungen, die operative Marge kletterte deutlich. Trotzdem rutschte die Aktie im nachbörslichen Handel um fast 6 Prozent auf knapp 65 US-Dollar ab. Der Grund liegt nicht im abgelaufenen Quartal, sondern im Blick nach vorn.
Die Zahlen im Überblick
Laut Aktionärsbrief erzielte Netflix im dritten Quartal einen Umsatz von 12,87 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, währungsbereinigt waren es 11 Prozent. Damit traf der Streamingkonzern die Konsensschätzung praktisch punktgenau.
Deutlich besser sah es beim Ergebnis aus:
Operativer Gewinn: 4,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 37 Prozent
Operative Marge: 34,6 Prozent nach 28,2 Prozent im Vorjahresquartal
Nettogewinn: 3,66 Milliarden US-Dollar, rund 44 Prozent mehr als im Vorjahr
Gewinn je Aktie: 0,87 US-Dollar nach 0,59 US-Dollar, erwartet waren rund 0,82 US-Dollar
Free Cashflow: 2,88 Milliarden US-Dollar
Zusätzlich kaufte Netflix im Quartal eigene Aktien für 4,8 Milliarden US-Dollar zurück. Laut Unternehmen war das das größte Rückkaufquartal der Firmengeschichte. Für weitere Rückkäufe stehen noch 22,3 Milliarden US-Dollar bereit.
Warum die Aktie trotzdem fällt
Der Markt hat sich auf zwei Punkte im Ausblick konzentriert.
Werbeziel gesenkt
Netflix rechnet für 2026 nur noch mit Werbeerlösen von rund 2,7 Milliarden US-Dollar. Bisher hatte das Management etwa 3 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt. Begründet wird die Kürzung mit einer langsameren Einführung einiger Funktionen der Werbeplattform. Co-CEO Greg Peters sagte in der Telefonkonferenz, das Werbegeschäft wachse in diesem Jahr zwar um mehr als 80 Prozent, liege aber hinter dem ehrgeizigen eigenen Ziel.
Für Anleger ist das ein sensibler Punkt. Das Werbeabo gilt als einer der wichtigsten Wachstumstreiber der kommenden Jahre. Jede Verzögerung dort wird an der Börse stärker gewichtet als ein Gewinnplus im laufenden Quartal.
Schwächerer Umsatzausblick für das vierte Quartal
Für das vierte Quartal stellt Netflix einen Umsatz von 13,44 Milliarden US-Dollar in Aussicht, ein Plus von 12 Prozent. Analysten hatten laut Marktberichten mit rund 13,5 Milliarden US-Dollar gerechnet. Die operative Marge soll im Schlussquartal auf 26,0 Prozent sinken, der Gewinn je Aktie auf 0,67 US-Dollar. Ein Teil der Kosten geht auf einen Stellenabbau zurück: Netflix beziffert den Effekt auf rund 120 Basispunkte der Kosten im vierten Quartal.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern nun 51,1 Milliarden US-Dollar Umsatz und eine operative Marge von 31,5 Prozent. Die Umsatzprognose liegt damit leicht unter der Mitte der bisherigen Spanne.
Einordnung für Trader
Das Muster ist bekannt. Schon nach den Zahlen zum zweiten Quartal reagierte die Aktie verhalten, wie unsere Analyse der Netflix-Quartalszahlen Q2 2026 zeigt. Bei hoch bewerteten Wachstumswerten zählt der Ausblick oft mehr als das abgelaufene Quartal. Netflix liefert operativ stark ab, doch der Markt preist offenbar bereits viel Wachstum ein.
Bereits zum regulären Handelsschluss am 20. Oktober hatte die Aktie 1,7 Prozent auf 68,66 US-Dollar verloren. Der nachbörsliche Abschlag zeigt, dass Marktteilnehmer kurzfristig vor allem auf die Werbedynamik schauen. Ob sich die Bewegung zur Eröffnung am 21. Oktober bestätigt, ist offen. Nachbörsliche Kurse sind bei geringen Umsätzen oft schwankungsanfällig.
Wichtig für die kommenden Wochen:
Weitere Berichte aus dem Sektor: In der laufenden Berichtssaison legen zahlreiche Tech- und Medienwerte Zahlen vor. Termine finden Sie im Quartalszahlen-Kalender.
Sektorbild: Wie sich Kommunikations- und Techwerte im Vergleich entwickeln, zeigt die Aktien-Heatmap auf einen Blick.
Inhalte im vierten Quartal: Netflix setzt auf Live-Sport wie NFL-Spiele und den Boxkampf Tyson Fury gegen Anthony Joshua sowie neue Filme. Die Wirkung auf Abos und Werbeerlöse zeigt sich erst mit den Zahlen im Januar.
Einen Ausblick auf 2027 will das Management erst mit den Zahlen zum vierten Quartal geben. Bis dahin dürfte die Frage, ob das Werbegeschäft wieder Tempo aufnimmt, die Kursentwicklung maßgeblich mitbestimmen.
Fazit
Netflix zeigt im dritten Quartal hohe Profitabilität, starke Cashflows und Rekord-Rückkäufe. Das gesenkte Werbeziel und der etwas schwächere Umsatzausblick überlagern diese Stärke jedoch zunächst. Wer die Aktie oder US-Techwerte über einen Broker handelt, findet einen Vergleich der Anbieter in unserer Broker-Topliste.
Hinweis: CFDs und andere gehebelte Produkte sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit einem hohen Risiko schneller Geldverluste einher. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie diese Produkte funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.









