Der südkoreanische Leitindex Kospi ist am Dienstag, 20. Oktober 2026, erneut kräftig unter Druck geraten. Nach einem Minus von rund 3,6 Prozent rutschte das Börsenbarometer wieder unter die Marke von 5.600 Punkten. Erst am Montag hatte der Kospi einen Teil seiner Verluste aufgeholt. Für Trader ist die Bewegung mehr als eine regionale Randnotiz: Kaum ein Index reagiert so empfindlich auf Zweifel am KI-Investitionszyklus wie der koreanische Markt mit seinen Schwergewichten Samsung Electronics und SK hynix.
Erholung vom Montag schon wieder verpufft
Der Wochenstart hatte noch Hoffnung gemacht. Am Montag, 19. Oktober, eröffnete der Kospi zunächst gut 3 Prozent im Minus, drehte dann aber und schloss 1,76 Prozent höher bei 5.768,01 Punkten. Auch an der Wall Street erholten sich Technologiewerte: Der Nasdaq Composite gewann 1,11 Prozent auf 26.430,89 Punkte, der S&P 500 legte 0,41 Prozent auf 7.690,73 Punkte zu. Der Speicherchiphersteller Micron stieg um knapp 3 Prozent.
Am Dienstag startete der Kospi dann leicht schwächer bei 5.733,57 Punkten, bevor sich der Abverkauf im Tagesverlauf beschleunigte. Besonders deutlich traf es die Chipwerte. SK hynix verlor mehr als 6 Prozent und fiel in die Nähe des tiefsten Stands seit April. Samsung Electronics gab um mehr als 3 Prozent nach. Auch Rüstungswerte standen unter Druck, weil Anleger die Aussichten für die US-Verteidigungsausgaben unsicherer einschätzen. Hanwha Aerospace büßte rund 11 Prozent ein.
Die Schwäche blieb nicht auf Korea beschränkt. Der japanische Nikkei 225 fiel um 1,28 Prozent, der MSCI-Index für Asien ohne Japan gab 0,93 Prozent nach.
Minus 17 Prozent im Oktober
Der Rückschlag reiht sich in einen außergewöhnlich schwachen Monat ein. Zwischen dem 1. und 16. Oktober verlor der Kospi 17,11 Prozent und war damit der schwächste unter den großen Aktienmärkten weltweit. Zum Vergleich: Der taiwanische Taiex, ebenfalls stark von Halbleitern geprägt, gab im selben Zeitraum nur 1,73 Prozent ab, der Nikkei 2,14 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Kospi trotz des Einbruchs noch immer mit rund 34,5 Prozent im Plus.
Den bisherigen Tiefpunkt markierte der 15. Oktober. An diesem Tag stürzte der Index um 6,82 Prozent auf 5.598,73 Punkte ab. Ausländische Investoren verkauften netto Aktien im Wert von 1,28 Billionen Won, während inländische Institutionen und Privatanleger dagegenhielten. Wie heftig der Druck war, zeigen auch Zwangsverkäufe kreditfinanzierter Positionen: Vom 13. bis 16. Oktober summierten sie sich auf 286,2 Milliarden Won. Bereits zwei Tage zuvor hatte unser Bericht über den Kospi-Crash und die Sorgen um den chinesischen Rivalen CXMT gezeigt, wie verwundbar die Speicherchipwerte geworden sind.
Was hinter dem Abverkauf steckt
Im Kern geht es um die Frage, ob sich die enormen KI-Investitionen rechnen. Die fünf großen Hyperscaler sollen ihre Investitionsausgaben zusammen auf rund 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr steigern. Ein großer Teil davon fließt in Rechenzentren und damit indirekt in Speicherchips von Samsung und SK hynix. Wenn Anleger an der Rentabilität dieser Ausgaben zweifeln, trifft das die Zulieferer zuerst.
Dazu kommen hohe Anleiherenditen. Die US-Inflation lag im September bei 3,7 Prozent und damit über den Erwartungen. Teurere Kredite belasten vor allem Betreiber von Rechenzentren, die ihren Ausbau mit Fremdkapital finanzieren. Am Dienstag verstärkten politische Unsicherheiten in Frankreich und vor den US-Zwischenwahlen die Flucht aus riskanten Anlagen. Auch die wachsende Konkurrenz durch chinesische Chiphersteller bleibt ein Thema.
Südkoreas Präsident Lee Jae Myung bezeichnete heimische Aktien zwar als „sehr unterbewertet". Die Aussage konnte die Stimmung am Dienstag aber nicht drehen. Ein Branchenvertreter brachte die Lage gegenüber der Zeitung Seoul Economic Daily auf den Punkt: Für einen nachhaltigen Aufschwung brauche es ein Ereignis, das stark genug sei, um die Vorsicht gegenüber KI-Kreditrisiken zu überwinden.
Warum der Kospi für Trader wichtig ist
Der koreanische Markt gilt als Frühindikator für die globale Halbleiterbranche. Samsung und SK hynix liefern einen großen Teil der Speicherchips für KI-Server. Schwächen dort schlagen häufig auf andere Chipwerte wie Micron durch. Wie robust das Geschäft der Branche operativ dennoch läuft, zeigten zuletzt die Rekordzahlen von TSMC, die den Kursrückgang der Aktie trotzdem nicht verhindern konnten. Die Lücke zwischen starken Fundamentaldaten und nervöser Bewertung ist derzeit das bestimmende Muster im Sektor.
Wer die Sektorrotation im Blick behalten will, findet in der Heatmap einen schnellen Überblick, welche Branchen und Einzelwerte gerade unter Druck stehen.
Die nächsten Termine: Meta, Tesla und Chipausrüster
Entscheidend für die Richtung dürften die Quartalszahlen der kommenden Tage werden. Am Mittwoch, 21. Oktober, legt Meta Platforms seine Zahlen vor. Anleger werden vor allem auf Aussagen zu den Investitionsplänen für KI achten. Später in der Woche folgen Tesla, der Chipausrüster Lam Research und Texas Instruments. Alle Termine finden Sie im Quartalszahlen-Kalender, einen Überblick über die gesamte Woche in unserer Börsenwoche vom 19. bis 23. Oktober.
Yang Hyeong-mo von DS Asset Management sprach Mitte Oktober von einer „letzten Phase des Schmerzes". Der Verkaufsdruck dürfte aus seiner Sicht nachlassen, sobald sich die Nachfrage nach KI-Lösungen bei Unternehmenskunden zwischen Ende Oktober und November klar bestätigt. Ob diese Einschätzung aufgeht, ist offen. Bis dahin dürften die Schwankungen an den asiatischen Börsen hoch bleiben.
Risikohinweis: Der Handel mit Aktien, Indizes und insbesondere mit gehebelten Produkten wie CFDs ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.








