Fünf Notenbanken, ein Fenster von 72 Stunden: Zwischen Mittwoch und Freitag entscheiden Reserve Bank of New Zealand, Bank of Canada, Federal Reserve, Europäische Zentralbank und Bank of Japan nacheinander über ihre Leitzinsen. Für Forex-Trader ist das die dichteste Terminballung des Jahres, und sie trifft auf einen Dollar, der zuletzt wieder an Stärke gewonnen hat.
Auf einen Blick
Fed (28.10., 19:00 Uhr MEZ): Leitzins aktuell 3,75–4,00 Prozent, CME FedWatch sieht rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Pause
RBNZ (28.10., 02:00 Uhr MEZ): Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 3,00 Prozent mit rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist
Bank of Canada (28.10., 14:45 Uhr MEZ): Leitzins soll bei 2,25 Prozent unverändert bleiben
EZB (29.10., 14:15 Uhr MEZ): Laut Umfrage erwarten 70 von 73 befragten Ökonomen eine Zinspause
Bank of Japan (30.10., ca. 04:00 Uhr MEZ): Zinsschritt diesmal unwahrscheinlich, Markt preist aber eine Erhöhung im Dezember mit rund 80 Prozent ein
EUR/USD notiert aktuell um 1,116, USD/JPY bei rund 157,6 und damit nahe der als Interventionszone geltenden Marke von 160
Warum das Thema jetzt relevant ist
Normalerweise liegen große Notenbanktermine Wochen auseinander. Diesmal fallen fünf Entscheidungen praktisch auf einen Fleck, und das in einem Umfeld, das selbst ungewöhnlich ist: Die Fed hat im September erstmals seit 2023 die Zinsen angehoben statt gesenkt, nachdem hartnäckige Inflationsdaten die Erwartung einer Zinswende nach unten durchkreuzt hatten. Der Markt geht aktuell davon aus, dass diese Linie im Oktober pausiert, im Dezember aber fortgesetzt werden könnte. Für Trader heißt das: Die eigentliche Marktbewegung dürfte weniger von der Entscheidung selbst als von der Kommunikation zu den nächsten Monaten ausgehen.
Die wichtigsten Termine im Überblick
Mittwoch: RBNZ eröffnet, Fed liefert den Hauptakt
Den Anfang macht die neuseeländische Notenbank in der Nacht auf Mittwoch mit einer erwarteten Anhebung auf 3,00 Prozent, ein erster Fingerzeig, wie Notenbanken abseits der Fed mit hartnäckiger Inflation umgehen. Stunden später folgt die Bank of Canada, von der angesichts der Abhängigkeit Kanadas von Öl- und US-Handelsdaten ein unveränderter Satz von 2,25 Prozent erwartet wird. Den Abschluss des Tages bildet um 19:00 Uhr MEZ die Fed-Entscheidung samt Pressekonferenz von Notenbankchef Kevin Warsh um 19:30 Uhr. Mit rund 90 Prozent Wahrscheinlichkeit wird die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent bestätigt. Spannender als die Zahl selbst dürfte sein, wie stark sich Warsh zur Dezember-Sitzung festlegt.
Donnerstag: EZB als ruhiger Gegenpol
Die EZB tritt am Donnerstag erneut als Stabilitätsanker auf. Eine breite Mehrheit der befragten Ökonomen rechnet mit einer Pause, nachdem die Notenbank ihren Einlagensatz zuletzt bei 2,50 Prozent belassen hatte. Brisant wird es dadurch, dass US-BIP-Daten für das dritte Quartal nur rund 75 Minuten vor der EZB-Entscheidung veröffentlicht werden, zwei potenzielle Schocks für EUR/USD innerhalb eines sehr kurzen Zeitfensters.
Freitag: BoJ und die Marke von 160 beim Yen
Den Abschluss macht am Freitag die Bank of Japan. Nach der Anhebung auf ein 31-Jahres-Hoch im September gilt ein weiterer Zinsschritt diesmal als unwahrscheinlich, für Dezember bringt der Markt aber rund 80 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung ins Spiel. USD/JPY notiert aktuell bei etwa 157,6 und damit in der Nähe der 160er-Marke, an der japanische und US-Behörden in der Vergangenheit bereits gemeinsam interveniert haben.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Für EUR/USD (zuletzt rund 1,116) zählt vor allem das Zusammenspiel aus Fed-Tonalität am Mittwochabend und dem BIP-EZB-Doppelschlag am Donnerstag. Bei USD/JPY rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich der Kurs der 160er-Marke weiter nähert und ob daraus erneut Interventionsspekulationen entstehen. USD/CAD hängt zusätzlich am Ölpreis, während NZD/USD direkt auf die RBNZ-Entscheidung reagieren dürfte, auch wenn Analysten die Reaktion auf einen bereits weitgehend eingepreisten Zinsschritt als überschaubar einschätzen. Wer die Termine im Blick behalten will, findet alle Uhrzeiten gebündelt im Wirtschaftskalender; wie professionelle Marktteilnehmer in Devisen-Futures positioniert sind, zeigen die COT-Daten.
Chancen und Risiken
Die Chance liegt in der Planbarkeit: Fünf feste Termine innerhalb weniger Tage lassen sich im Kalender markieren, Volatilitätsspitzen rund um die jeweiligen Uhrzeiten sind absehbar. Das Risiko liegt in genau dieser Dichte: Mehrere Notenbanken an aufeinanderfolgenden Tagen können sich in ihrer Wirkung überlagern, sodass eine Kursbewegung schwer einer einzelnen Entscheidung zuzuordnen ist. Hinzu kommt, dass sowohl bei der Fed als auch bei der BoJ die eigentliche Schlüsselfrage nicht diese Woche, sondern erst im Dezember beantwortet wird. Wer auf Basis einzelner Wahrscheinlichkeitswerte handelt, sollte sich bewusst sein, dass sich diese Prozentzahlen bis zur jeweiligen Sitzung noch verschieben können.
Einordnung für Anleger und Trader
Für Trader mit kurzem Zeithorizont bedeutet die Terminballung erhöhte Schwankungsbreite in den wichtigsten Währungspaaren über mehrere Tage hinweg. Längerfristig orientierte Anleger sollten die Woche eher als Wegweiser lesen: Bestätigen Fed und BoJ den eingeschlagenen Kurs Richtung weiterer Zinsschritte im Dezember, würde das die seit Monaten laufende Diskussion um eine restriktivere globale Geldpolitik untermauern. Eine Übersicht, wie sich das aktuelle Zinsumfeld auf Aktienmärkte und Big-Tech-Bilanzen auswirkt, bietet der Wochenausblick zur laufenden Börsenwoche.
Fazit
Fünf Notenbanken in 72 Stunden sind ein ungewöhnlicher Ballungsraum, der vor allem Forex-Trader diese Woche in Atem halten dürfte. Die größten Risiken liegen nicht in den erwarteten Entscheidungen selbst, sondern in der Kommunikation zur Dezember-Sitzung und in der Nähe von USD/JPY zur 160er-Interventionszone. Wer die Termine kennt und seine Positionen entsprechend plant, ist für die Volatilität dieser Woche besser gerüstet als jemand, der sie erst am Tag selbst bemerkt.







