Der US-Arbeitsmarkt hat am Freitag, 6. November 2026, alle Erwartungen übertroffen. Laut dem Bureau of Labor Statistics (BLS) entstanden im Oktober 165.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Ökonomen hatten laut Dow-Jones-Konsens nur mit rund 59.000 gerechnet. Für Trader verschiebt sich damit der Fokus der neuen Börsenwoche vom 9. bis 13. November klar auf eine Frage: Bestätigen die Inflationsdaten am Dienstag den Weg zu einer weiteren Zinserhöhung der Fed im Dezember?
Jobreport Oktober: Die wichtigsten Zahlen
Der Bericht fiel in nahezu allen Teilbereichen stark aus. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent, erwartet worden waren 4,2 Prozent. Zusätzlich korrigierte das BLS die Vormonate deutlich nach oben: August auf 186.000 statt 133.000 Stellen, September auf 60.000 statt 29.000. Zusammen sind das 84.000 Jobs mehr als bisher gemeldet.
Auch die Löhne zogen an. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent auf 38,00 US-Dollar, im Jahresvergleich um 3,1 Prozent. Beides lag laut CNBC über den Prognosen. Die Erwerbsbeteiligung kletterte auf 61,9 Prozent.
Die meisten neuen Stellen schufen laut CNBC die unternehmensnahen Dienstleistungen (70.000), das Gesundheitswesen (42.000), Transport und Logistik (25.000) sowie die Industrie (19.000). „Man muss schon sehr genau hinschauen, um darin etwas zu finden, das einem nicht gefällt", sagte Dan North von Allianz Trade North America.
Warum der starke Bericht für die Fed zählt
Die Fed hatte im Oktober den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen, zwei Mitglieder stimmten bereits für eine Erhöhung. Ein robuster Arbeitsmarkt mit anziehenden Löhnen nimmt der Notenbank ein wichtiges Argument für Geduld. Nach dem Bericht stieg die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember laut CME FedWatch auf 76,8 Prozent. Die Renditen von US-Staatsanleihen zogen auf breiter Front an.
Mehr zum Hintergrund der letzten Sitzung lesen Sie in unserem Artikel zum Fed-Zinsentscheid im Oktober. Zum Vergleich: Im September hatte der Jobreport mit nur 29.000 Stellen (vor der Revision) noch für Zweifel am Arbeitsmarkt gesorgt.
Wall Street: Erholung nach dem KI-Ausverkauf
An der Börse traf der Jobreport auf eine nervöse Stimmung. Am Donnerstag hatte der KI- und Chip-Crash den Nasdaq um mehr als 5 Prozent einbrechen lassen. Am Freitag setzte eine Gegenbewegung ein: Der Nasdaq Composite schloss 1,09 Prozent höher bei 24.579 Punkten, der S&P 500 gewann 0,31 Prozent auf 7.377 Punkte. Der Dow Jones verlor dagegen 0,46 Prozent auf 51.286 Punkte.
Getragen wurde die Erholung von Halbleiterwerten. Der Chipindex SOX legte nach Angaben von Yahoo Finance rund 4 Prozent zu, Nvidia, AMD und Intel erholten sich jeweils deutlich. Auf Wochensicht bleibt dennoch ein klares Minus: Der S&P 500 verlor laut StockTitan 2,7 Prozent und verzeichnete damit seine schwächste Woche seit Juni. Welche Sektoren besonders gelitten haben, zeigt die Heatmap auf einen Blick.
Börsenwoche 9. bis 13. November: Die wichtigsten Termine
Dienstag, 10. November: US-Inflation im Mittelpunkt
Um 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht das BLS die Verbraucherpreise für Oktober. Laut der von CNBC zitierten Konsensprognose soll die Jahresrate auf 3,9 Prozent steigen, nach 3,7 Prozent im September. Nach dem starken Arbeitsmarktbericht dürfte jede Überraschung bei der Kernrate direkt auf die Dezember-Erwartungen durchschlagen. Für Trader bedeutet das: erhöhte Schwankungen bei US-Indizes, Anleiherenditen und dem US-Dollar rund um die Veröffentlichung.
Donnerstag und Freitag: Fed-Rede und Erzeugerpreise
Am Donnerstag, 12. November, folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Verkäufe bestehender Häuser. Am selben Tag tritt New Yorks Fed-Präsident John Williams auf. Seine Einschätzung nach Jobreport und Inflationsdaten wird genau beobachtet. Am Freitag, 13. November, runden die Erzeugerpreise für Oktober die Woche ab.
Quartalszahlen: Cisco und Applied Materials
Die Berichtssaison läuft aus, bietet aber noch wichtige Impulse. Am Montag berichten unter anderem KKR, Occidental Petroleum, Constellation Energy und Take-Two Interactive. Gegen Ende der Woche legen Cisco und Applied Materials Zahlen vor. Gerade der Chipausrüster Applied Materials ist nach dem Ausverkauf bei Halbleitern ein wichtiger Stimmungstest für den KI-Handel. Alle Termine finden Sie im Quartalszahlen-Kalender.
Einordnung für Trader
Die Ausgangslage ist widersprüchlich. Ein starker Arbeitsmarkt spricht gegen Rezessionssorgen, erhöht aber zugleich den Druck auf die Fed, die Zinsen weiter anzuheben. Steigende Renditen belasten vor allem hoch bewertete Technologiewerte, die nach dem Einbruch vom Donnerstag ohnehin angeschlagen sind.
Wer kurzfristig handelt, sollte die Termine im Wirtschaftskalender im Blick behalten und Positionsgrößen an die erwartete Volatilität anpassen. Insbesondere bei gehebelten Produkten wie CFDs können starke Kursbewegungen rund um Datenveröffentlichungen schnell zu hohen Verlusten führen. Eine Prognose für den Ausgang der CPI-Daten oder der Dezember-Sitzung lässt sich aus dem Jobreport allein nicht ableiten.








