Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat ihren Leitzins am 4. November 2026 um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent angehoben. Das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise 2008. Die Entscheidung fiel mit 6 zu 3 Stimmen denkbar knapp aus, der Australische Dollar reagierte trotzdem nur verhalten.
Auf einen Blick
RBA erhöht Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,85 Prozent, höchster Stand seit 2008
Board-Entscheidung fällt knapp mit 6 zu 3 Stimmen
Fünfte Zinsanhebung der RBA in diesem Jahr
Inflation soll laut RBA zum Jahresende bei rund 4,5 Prozent liegen, über dem Zielkorridor von 2 bis 3 Prozent
AUD/USD gibt nach der Entscheidung leicht nach auf rund 0,6976 US-Dollar
Nächste Sitzung im Dezember 2026, Analysten uneins über den weiteren Kurs
Warum das Thema jetzt relevant ist
Während die US-Notenbank zuletzt auf der Stelle trat und auch die EZB ihren Kurs pausiert hat, geht die RBA den entgegengesetzten Weg. Australien hat damit aktuell den höchsten Leitzins unter den großen Industrienationen, deutlich vor Neuseeland mit 2,75 Prozent und Kanada mit 2,5 Prozent. Für Forex-Trader ist das eine der spannendsten Divergenzen am Devisenmarkt: Steigende Zinsen machen den Australischen Dollar für Carry-Trades interessanter, gleichzeitig zeigt die knappe Abstimmung, dass die Notenbank selbst uneins ist, wie es weitergeht.
Die wichtigsten Zahlen und Hintergründe
Der Zinsschritt und die Abstimmung
Mit der Anhebung von 4,60 auf 4,85 Prozent setzt die RBA ihre im Jahresverlauf begonnene Straffung fort. Es ist bereits die fünfte Erhöhung in diesem Jahr. Sechs Mitglieder des Boards stimmten für den Schritt, drei votierten für eine Nullrunde bei 4,60 Prozent. Diese Aufteilung gilt am Markt als Signal, dass eine Pause im Dezember durchaus möglich ist.
Die Gründe hinter der Entscheidung
RBA-Gouverneurin Michele Bullock begründete den Schritt mit anhaltend hohem Preisdruck: "Inflation is too high, and our forecasts suggest it will stay higher for longer." Laut Notenbank bleibt die Inflation bis mindestens Ende 2027 erhöht, zum Jahresende rechnet die RBA mit einer Rate von rund 4,5 Prozent, fast doppelt so hoch wie der obere Rand des Zielkorridors von 2 bis 3 Prozent. Als zusätzliche Preistreiber nannte die Notenbank den Nahostkonflikt und die dadurch gestiegenen Ölpreise sowie hohe Investitionen in KI-Infrastruktur, die Preise für Technologiegüter nach oben treiben. Bullock betonte zugleich, die Notenbank könne Ölpreise nicht direkt beeinflussen und konzentriere sich stattdessen auf die Nachfrageseite.
Reaktion am Devisenmarkt
Der Australische Dollar gab nach der Entscheidung leicht nach, AUD/USD fiel um rund 0,3 Prozent auf 0,6976 US-Dollar. Die Reaktion fällt deshalb so verhalten aus, weil der Markt den Schritt bereits weitgehend eingepreist hatte und die knappe Abstimmung eher als vorsichtiges Signal gelesen wird. Die Einschätzungen für die Dezembersitzung gehen auseinander: Während UBS eine weitere Anhebung für unwahrscheinlich hält, rechnet Betashares mit mindestens einem weiteren Schritt, möglicherweise erst im Februar 2027.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Für den Australischen Dollar zählt jetzt vor allem die Zinsdifferenz zu Fed, EZB und Bank of Japan. Je größer der Abstand, desto attraktiver werden AUD-Carry-Trades gegenüber niedriger verzinsten Währungen, solange die Risikobereitschaft am Markt hoch bleibt. Wichtige Fixpunkte sind die australischen Inflationsdaten vor der Dezembersitzung sowie weitere Reden von RBA-Vertretern, die Hinweise auf den künftigen Kurs liefern können. Auf der Charttechnik lohnt sich ein Blick auf die Marke von 0,70 US-Dollar bei AUD/USD als psychologischen Widerstand sowie auf die Unterstützung im Bereich von 0,695 US-Dollar. Wer die Zinstermine im Blick behalten will, findet einen strukturierten Überblick im Wirtschaftskalender. Für die Positionierung großer Marktteilnehmer bei AUD/USD lohnt sich zudem ein Blick in die COT-Daten.
Spannend ist zudem die Rolle der Ölpreise: Die RBA begründete ihre Entscheidung unter anderem mit nahostbedingt hohen Ölpreisen, während Brent-Rohöl zuletzt nach Signalen für Friedensgespräche im Iran-Konflikt deutlich nachgegeben hat. Sollte sich dieser Rückgang fortsetzen, könnte das einen Teil des Inflationsdrucks nehmen, auf den sich die RBA heute noch bezogen hat. Ein Faktor, den Trader in den kommenden Wochen im Auge behalten sollten.
Chancen und Risiken
Die Chance liegt in der klaren Zinsdifferenz: Ein hochverzinster Australischer Dollar kann in einem risikofreudigen Marktumfeld von Kapitalzuflüssen profitieren. Das Risiko liegt in der Unsicherheit über den weiteren Kurs. Die knappe 6:3-Abstimmung zeigt, dass es im RBA-Board keinen breiten Konsens für weitere Zinsschritte gibt. Fällt die Inflation im vierten Quartal schneller als erwartet, etwa durch sinkende Ölpreise, könnte die Notenbank schneller pausieren als derzeit eingepreist. Umgekehrt würde eine Fortsetzung des hohen Preisdrucks eine weitere Straffung wahrscheinlicher machen, was kurzfristig zu erhöhter Volatilität bei AUD-Paaren führen kann.
Einordnung für Anleger und Trader
Die RBA-Entscheidung unterstreicht, wie unterschiedlich Notenbanken aktuell auf das globale Preisumfeld reagieren. Während Fed und EZB auf Zurückhaltung setzen, zieht Australien das Zinstempo weiter an. Für den Devisenmarkt bedeutet das anhaltende Divergenzen und damit potenziell längerfristige Trends bei AUD-Paaren, die technisch wie fundamental analysiert werden wollen. Wer auf Basis solcher Zinsentscheidungen handelt, sollte das eigene Risikomanagement im Blick behalten, etwa über eine durchdachte Positionsgrößen- und Stop-Strategie, unabhängig vom gewählten Broker.
Fazit
Mit 4,85 Prozent hat die RBA den höchsten Leitzins seit 18 Jahren erreicht, allerdings bei einem gespaltenen Board. Für Trader zählt jetzt weniger der einzelne Zinsschritt als die Frage, wie lange Australien seinen Alleingang gegenüber Fed und EZB fortsetzt. Die Dezembersitzung dürfte die nächste wichtige Weichenstellung für den Australischen Dollar liefern.







