Der S&P 500 hat den Juli 2026 am Freitag, dem 31. Juli 2026, mit einem Minus von 0,1 Prozent beendet. Das klingt nach wenig, ist aber der erste Juli-Verlust des Index seit 2014. Gleichzeitig holte der Dow Jones den vierten Gewinnmonat in Serie, während der Halbleitersektor mit gut 22 Prozent Monatsverlust tief im Bärenmarkt steckt. Selten lagen die großen Anlageklassen zum Monatswechsel so weit auseinander.
Auf einen Blick
S&P 500 im Juli: −0,1 Prozent, erster Juli-Verlust seit 2014 (Schluss am Freitag, 31.07.: 7.489,72 Punkte)
Dow Jones: +0,3 Prozent und damit vierter Gewinnmonat in Folge; Nasdaq Composite: −3,2 Prozent
Halbleiter-ETF SOXX: −22,1 Prozent, schlechtester Monat seit Dezember 2002
DAX: +2,5 Prozent auf 25.629,24 Punkte, rund 1 Prozent unter dem Allzeithoch von 25.900,10 Punkten
Amazon: +15,3 Prozent am 31.07. nach starken AWS-Zahlen (Umsatzplus 36,7 Prozent), Apple: −7,4 Prozent am selben Tag
Gold: rund +0,5 bis +0,9 Prozent je nach Quelle (uneinheitliche Datenlage, siehe Recherche-Nachtrag); Kryptomarkt (CoinDesk 20 Index): +8,7 Prozent, stärkster Monatsgewinn seit einem Jahr
KW 32 bringt ISM-Daten, den US-Arbeitsmarktbericht sowie Zahlen von Palantir, AMD und erstmals SpaceX
Warum die Monatsbilanz für Trader jetzt zählt
Viele Fonds und systematische Strategien richten ihre Positionierung am Monatsraster aus, und der Übergang in den August fällt diesmal mit einer auffälligen Sektorrotation zusammen: Software stark, Halbleiter schwach, Anleiherenditen wieder im Anstieg. Wer sich für die ersten Augustwochen positioniert, sollte wissen, was der Juli tatsächlich hinterlassen hat. Alle folgenden Kurse sind Schlusskurse vom Freitag, dem 31. Juli 2026.
Die Zahlen zum Monatsschluss
Markt | Juli 2026 | Anmerkung |
|---|---|---|
S&P 500 | −0,1 % | erster Juli-Verlust seit 2014 |
Nasdaq Composite | −3,2 % | — |
Nasdaq 100 | — | mehr als 10 % unter dem Allzeithoch von Anfang Juni (Bloomberg, 28.07.) |
Dow Jones | +0,3 % | vierter Gewinnmonat in Serie |
DAX | +2,5 % | Schluss 25.629,24 |
Halbleiter-ETF SOXX | −22,1 % | schlechtester Monat seit Dez. 2002 |
Software-ETF (iShares Expanded Tech) | +4,4 % | Gegenpol zur Chip-Schwäche |
Gold | rund +0,5 bis +0,9 % | Quellenlage uneinheitlich; "erster Monatsgewinn seit Februar" nicht belegt |
Bitcoin | ca. +8 bis 9 % | rund 58.000 auf rund 63.000 USD; CoinDesk 20 Index +8,7 % |
Ethereum | ca. +20 % | Kursniveaus nicht separat belegt |
Amazon (Tagesbewegung 31.07.) | +15,3 % | AWS-Umsatz +36,7 % auf 42,2 Mrd. USD |
Apple (Tagesbewegung 31.07.) | −7,4 % | Gegenpol zur Amazon-Rally |
US-Indizes: Divergenz statt Gleichlauf
Am letzten Handelstag ging es noch einmal aufwärts: Der S&P 500 schloss am Freitag 0,7 Prozent fester bei 7.489,72 Punkten, der Nasdaq Composite gewann 1,0 Prozent auf 25.373,85 Punkte. Getragen wurde die Freitagsrally vor allem von Amazon: Die Aktie sprang im regulären Handel um 15,3 Prozent, nachdem AWS mit einem Umsatzplus von 36,7 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar das schnellste Wachstum seit 18 Quartalen auswies – der Konsens hatte nur rund 31 Prozent erwartet. Der Amazon-Konzernumsatz stieg um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden US-Dollar, das operative Ergebnis um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden US-Dollar. Apple bildete am selben Tag mit −7,4 Prozent den Gegenpol. Für die Monatsbilanz reichte die Freitagsrally dennoch nicht. Die Schwäche kam fast komplett aus dem Chipsektor: Der SOXX verlor im Juli 22,1 Prozent und erlebte damit seinen schlechtesten Monat seit Dezember 2002, obwohl er allein an den letzten beiden Handelstagen rund 9 Prozent aufholte. Wie es zu dem Einbruch kam, haben wir im Bericht zum Chip-Ausverkauf in Asien nachgezeichnet. Auf der Gegenseite legte der Software-ETF 4,4 Prozent zu, Microsoft gewann nach starken Quartalszahlen 24,6 Prozent im Monat. Die Hintergründe der KI-Investitionswelle stehen in unserer Analyse der Microsoft- und Meta-Zahlen – das beschleunigte AWS-Wachstum liefert eine erste Antwort auf die dort aufgeworfene Frage, ob sich die hohen KI-Investitionen auszahlen.
DAX, Gold, Öl und Krypto
Der DAX beendete den Juli bei 25.629,24 Punkten und damit rund 1 Prozent unter seinem Allzeithoch von 25.900,10 Punkten vom 6. Juli. Auf Monatssicht steht ein Plus von 2,5 Prozent, auf Wochensicht 2,1 Prozent. Gold schloss am Freitag bei 4.042,97 US-Dollar je Feinunze; der Juli-Gewinn liegt je nach Quelle bei rund 0,5 bis 0,9 Prozent. Brent-Öl notierte zum Schluss bei 87,93 US-Dollar, nach einer extremen Juli-Spanne von rund 72 bis 102 US-Dollar. Bitcoin startete den Juli nahe 58.000 US-Dollar und beendete ihn bei rund 63.000 US-Dollar – ein Monatsplus von etwa 8 bis 9 Prozent. Am 31. Juli rutschte der Kurs zwischenzeitlich auf rund 62.400 US-Dollar, nachdem die Marke von 65.000 US-Dollar nicht hielt. Der CoinDesk 20 Index, der den breiten Kryptomarkt abbildet, legte im Juli um 8,7 Prozent zu – der stärkste Monatsgewinn seit einem Jahr. Ethereum gewann im gleichen Zeitraum rund 20 Prozent, allerdings ohne belastbare Quelle für die genauen Kursniveaus. Die Fed ließ den Leitzins am 29. Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert – allerdings stimmten drei Mitglieder, Lorie Logan (Dallas Fed), Beth Hammack (Cleveland Fed) und Neel Kashkari (Minneapolis Fed), für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Der Anleihemarkt zog die Konsequenz: Die 30-jährige Rendite kletterte auf 5,244 Prozent, den höchsten Stand seit 2007, die zehnjährige auf 4,71 Prozent. Zinsswaps preisten anschließend rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September ein. Steigende Langfristrenditen belasten hoch bewertete Wachstumswerte stärker als Substanzwerte – das erklärt mit, warum der Nasdaq den Juli deutlich schwächer beendete als der Dow. Unsere FOMC-Vorschau hatte die Ausgangslage beschrieben.
August-Saisonalität: Statistik, kein Fahrplan
Der August gehört historisch zu den schwächsten Börsenmonaten. Seit 1950 liegt die durchschnittliche S&P-500-Rendite im August je nach Auswertung zwischen −0,01 und +0,21 Prozent, womit der Monat regelmäßig als drittschwächster des Jahres geführt wird. Die letzten 20 Jahre zeichnen allerdings ein freundlicheres Bild: In rund 65 Prozent der Fälle schloss der S&P 500 im Plus, im Schnitt mit über 0,3 Prozent. Beide Aussagen stimmen, sie messen nur unterschiedliche Zeiträume. Genau deshalb taugt Saisonalität als Kontext, nicht als Prognose für den konkreten Monat. Wie man saisonale Muster sauber einsetzt, erklärt unser Beitrag Saisonalität im Trading, aktuelle saisonale Verläufe zeigt die Saisonalitäts-Seite.
Ausblick auf die erste Augustwoche
Die KW 32 hat es in sich. Am Montag kommt der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe (Konsens 54,0 nach 53,3), am Mittwoch folgen ADP-Beschäftigung und ISM Services, am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für Juli als wichtigster Termin der Woche. Bei den Unternehmen stehen Palantir (Montag, erwartetes Umsatzplus von rund 81 Prozent) und AMD auf dem Plan. Dazu legt SpaceX den ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor, nach der Aufnahme in den Nasdaq 100 ein Novum mit Kurspotenzial in beide Richtungen. Alle Termine finden sich im Wirtschaftskalender und im Quartalszahlen-Kalender.
Chancen und Risiken
Der Rebound der Chipwerte an den letzten beiden Juli-Handelstagen lässt sich in beide Richtungen lesen: als Beginn einer Bodenbildung nach 22 Prozent Monatsverlust oder als typische Erholung in einem intakten Bärenmarkt. Beides ist offen. Auch die Divergenz zwischen Dow und Nasdaq kann sich über eine Tech-Erholung schließen oder über eine Korrektur der bisher starken Standardwerte. Dazu kommt die Zinsseite: Bei 4,71 Prozent Zehnjahresrendite und einer Inflation deutlich über 2 Prozent bleibt der Bewertungsspielraum begrenzt.
Fazit
Der Juli 2026 war ein Monat der Extreme: erster Juli-Verlust des S&P 500 seit 2014, Bärenmarkt im Chipsektor, Rekordserie im Dow und Krypto als stärkste Anlageklasse. Zum Augustauftakt entscheidet sich, ob die Rotation weiterläuft oder die Technologiewerte zurückkommen. Die Makrotermine der KW 32 liefern dafür die ersten Signale.







