Der DAX nähert sich am Dienstag wieder der 25.000er-Marke: Nach zwei Verlustwochen notiert der Index am Vormittag bei rund 24.870 Punkten, ein Plus von gut 0,6 Prozent. Ob daraus mehr wird, entscheiden diese Woche der Iran-Konflikt, ein Ölpreis von 88 Dollar, der ZEW-Index um 11 Uhr und die wichtigsten Quartalszahlen des Sommers.
Auf einen Blick
DAX am Dienstagvormittag bei rund 24.870 Punkten (+0,6 %), die 25.000er-Marke ist in Reichweite
Abstand zum Rekordhoch aus der ersten Juliwoche (26.000er-Region): rund 4 bis 5 Prozent
Brent-Öl notiert mit 88,36 Dollar rund 10 Dollar höher als Anfang Juli
ZEW-Konjunkturerwartungen heute 11 Uhr: Konsens 18,0 Punkte nach 10,5 im Juni
Mittwoch berichten Alphabet und Tesla, Donnerstag folgen Intel und der EZB-Zinsentscheid
Marktbeobachter sehen die kurzfristige Handelsspanne zwischen 24.700 und 25.100 Punkten
Vom Rekord in die Range: Wo der DAX jetzt steht
Anfang Juli jagte der DAX noch die 26.000er-Marke, dann folgten zwei Verlustwochen: Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran, der weltweite Abverkauf bei Chip-Aktien und gestiegene Ölpreise drückten den Index zurück in den Bereich um 24.800 Punkte. Seit Wochenbeginn stabilisiert sich das Bild. Am Montag schloss der DAX nur knapp im Minus, über Nacht lieferte Asien Rückenwind: Der Nikkei legte 2,7 Prozent zu, während der Dow Jones am Montag 0,6 Prozent auf 51.839 Punkte verlor.
Kurzfristig hat sich damit eine Handelsspanne zwischen etwa 24.700 und 25.100 Punkten etabliert. Für einen nachhaltigen Ausbruch nach oben fehlt bislang der Auslöser, für einen Bruch nach unten war der Nachrichtenfluss zuletzt nicht schlecht genug.
Iran und Öl: Belastungsfaktor Nummer eins
Die größte Unsicherheit bleibt der Nahe Osten. Die USA und der Iran verhandeln zwar über Vermittler, gleichzeitig gehen die gegenseitigen Angriffe rund um die Straße von Hormus weiter. Genau diese Gemengelage hält den Ölpreis hoch: Brent kostet aktuell 88,36 Dollar je Barrel, am Morgen zwar 0,7 Prozent weniger als am Vortag, aber immer noch rund 10 Dollar mehr als vor der jüngsten Eskalationsrunde Anfang Juli.
Ein dauerhaft hoher Ölpreis wirkt doppelt auf den DAX: Er verteuert Energie und Vorprodukte für die Industrie und nährt die Sorge, dass die Inflation zäher bleibt als gedacht. Solange Brent nicht deutlich unter die 85-Dollar-Zone zurückfällt, dürfte der Index schwer über seine obere Range-Kante kommen.
ZEW-Index um 11 Uhr: Stimmungstest für die zweite Jahreshälfte
Um 11 Uhr steht mit den ZEW-Konjunkturerwartungen der wichtigste deutsche Termin des Tages an. Im Juni war der Indikator überraschend stark um 20,7 Punkte auf 10,5 Zähler gestiegen, der erste positive Wert seit dem Ausbruch des Nahost-Kriegs im Frühjahr. Für Juli erwarten Volkswirte im Schnitt einen weiteren Anstieg auf 18,0 Punkte. Die Lagebeurteilung bleibt mit erwarteten minus 78,0 Punkten dagegen tief im negativen Bereich.
Fällt der Wert erneut besser aus als gedacht, wäre das ein Signal, dass die Finanzmarktprofis trotz Iran-Krise auf eine Erholung im zweiten Halbjahr setzen. Eine Enttäuschung würde dagegen die Skeptiker bestätigen, die die aktuelle DAX-Erholung nur für eine Zwischenerholung halten.
Earnings-Woche: Alphabet, Tesla, Intel und die EZB
Parallel läuft die bisher wichtigste Woche der Berichtssaison. Heute vor US-Handelsstart legt General Motors Zahlen vor, Analysten erwarten einen Gewinn von rund 3,11 bis 3,13 Dollar je Aktie. Am Mittwochabend folgen mit Alphabet und Tesla zwei Schwergewichte, die den Ton für die gesamte Tech- und KI-Rally setzen. Am Donnerstag berichtet Intel, und die EZB entscheidet über die Zinsen. Der Markt rechnet mehrheitlich damit, dass der Einlagensatz bei 2,25 Prozent bleibt.
Für DAX-Trader zählt dabei weniger das einzelne Ergebnis als die Summe: Liefern die US-Tech-Riesen, dürfte die Risikobereitschaft auch in Frankfurt zurückkehren. Enttäuschen sie, wird die Unterkante der Range schnell wieder zum Thema.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Drei Punkte stehen heute im Fokus. Erstens die Reaktion auf den ZEW-Index um 11 Uhr, gerade wenn der Wert deutlich vom Konsens abweicht. Zweitens der Ölpreis als Frühindikator für die Iran-Lage: Neue Meldungen aus der Straße von Hormus schlagen dort zuerst auf. Drittens die Range-Kanten bei 24.700 und 25.100 Punkten: Erst ein klarer Ausbruch aus dieser Zone, idealerweise mit Rückenwind aus den Earnings, gibt dem Markt eine neue Richtung.
Chancen und Risiken
Auf der Chancenseite steht ein mögliches Entspannungssignal im Iran-Konflikt, kombiniert mit starken Tech-Zahlen: In diesem Szenario wäre der Weg über 25.100 Punkte frei und das Rekordhoch käme wieder in Sichtweite. Auf der Risikoseite stehen eine neue Eskalation mit Ölpreisen über 90 Dollar, ein restriktiverer Ton der EZB am Donnerstag und enttäuschende Ergebnisse von Alphabet, Tesla oder Intel. In diesem Fall wäre ein Test der 24.700er-Zone wahrscheinlich, darunter würde die Korrektur vom Rekordhoch in die nächste Runde gehen.
Fazit
Der DAX steht vor einer richtungsweisenden Woche: Die 25.000er-Marke ist zum Greifen nah, aber Iran-Krieg, teures Öl und die anstehenden Mega-Earnings lassen wenig Raum für Vorentscheidungen. Wer handelt, sollte die Range respektieren und die Termine dieser Woche im Blick behalten, statt auf den Ausbruch zu wetten, bevor er da ist.







