Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow (PFOF) in Deutschland verboten. Broker dürfen für die Weiterleitung von Kundenorders keine Zahlungen oder sonstigen Vorteile mehr annehmen. Trade Republic hat sein Ordermodell bereits im Vorfeld komplett umgebaut: Wer handelt, wählt jetzt zwischen einer automatischen Bestpreis-Order für 1 Euro und einer Direktpreis-Order für 2 Euro mit freier Börsenwahl.
Auf einen Blick
PFOF-Verbot gilt in Deutschland verbindlich seit 1. Juli 2026, EU-weit bereits seit März 2024
Trade Republic führte am 2. Juli 2026 zwei neue Ordertypen ein: Bestpreis-Order (1 €) und Direktpreis-Order (2 €)
Direktpreis-Order erlaubt die manuelle Wahl aus rund 30 Handelsplätzen weltweit, etwa Xetra, Euronext oder Nasdaq
Zusätzlich neu und kostenlos: ein Web-Terminal mit Charting, Screenern und Portfolio-Analyse
BaFin konkretisierte die Regeln für Neobroker in einer Aufsichtsmitteilung vom 22. Juli 2026
Auch comdirect, Consorsbank und S Broker haben ihre Preismodelle als Reaktion auf das Verbot angepasst
Warum das Thema jetzt relevant ist
Für jeden, der ein Depot bei einem deutschen Neobroker führt, ist das keine abstrakte Regulierungsnachricht, sondern eine reale Änderung der eigenen Handelskosten. Bislang finanzierten viele Broker ihr Ein-Euro-Modell über Zahlungen der Marktmacher, die im Gegenzug den Orderfluss bekamen. Dieser Mechanismus fällt jetzt weg, und die Broker müssen ihre Preise neu kalkulieren. Trade Republic hat das nicht erst nach Inkrafttreten des Verbots getan, sondern bereits am 2. Juli 2026 sein komplettes Ordermodell vorgestellt. Das Thema ist deshalb nicht nur für Trade-Republic-Kunden interessant: Es zeigt, wie die gesamte Neobroker-Branche auf den Wegfall eines zentralen Einnahmestroms reagiert.
Die wichtigsten Zahlen und Ereignisse
Das PFOF-Verbot in Kürze
Die EU hatte Zahlungen für Orderweiterleitung bereits im März 2024 EU-weit untersagt, Deutschland nutzte jedoch eine Übergangsregelung bis zum 30. Juni 2026. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot auch hierzulande ausnahmslos. Die BaFin hat die praktischen Konsequenzen für Neobroker in einer Aufsichtsmitteilung vom 22. Juli 2026 präzisiert: Institute dürfen von Dritten keine Zahlungen oder nicht monetären Vorteile mehr für die Weiterleitung von Kundenaufträgen annehmen.
Trade Republics neues Ordermodell
Am 2. Juli 2026 stellte Trade Republic per Pressemitteilung zwei neue Ordertypen vor. Die Bestpreis-Order kostet 1 Euro und führt die Order automatisch zum jeweils besten verfügbaren Kurs über alle relevanten Börsen aus. Die Direktpreis-Order kostet 2 Euro und erlaubt die manuelle Wahl aus rund 30 globalen Handelsplätzen für Market-, Limit- und Stop-Orders. Zusätzlich bringt Trade Republic ein kostenloses Web-Terminal für aktive Anleger mit professionellem Charting, anpassbaren Workspaces sowie Aktien- und Derivate-Screenern.
Ordertyp | Preis | Ausführung |
|---|---|---|
Bestpreis-Order | 1 € | automatisch, bester verfügbarer Kurs |
Direktpreis-Order | 2 € | manuelle Wahl aus ca. 30 Handelsplätzen |
Reaktionen im übrigen Marktumfeld
Auch andere deutsche Broker wie comdirect, Consorsbank und S Broker haben ihre Preismodelle laut mehreren Berichten als Reaktion auf das PFOF-Verbot angepasst. Ein branchenweiter Preisschock ist bislang ausgeblieben, kostenlose ETF-Sparpläne bleiben bei den großen Anbietern erhalten. Konkrete Einzelgebühren der Wettbewerber sind derzeit nur über Sekundärquellen belegt, weshalb sich pauschale Vergleiche noch nicht seriös ziehen lassen.
Warum Trade Republic den Umbau vorzieht
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Wer sein Preismodell erst nach dem gesetzlichen Stichtag anpasst, riskiert einen holprigen Übergang mit kurzfristigen Änderungen für Bestandskunden. Trade Republic hat sich stattdessen fast einen Monat Vorlauf verschafft und den Umbau mit einem sichtbaren Zusatznutzen verknüpft, dem neuen Web-Terminal. Das lässt sich als Versuch lesen, die gestiegene Preisstruktur mit einem Mehrwert zu flankieren, statt sie isoliert zu kommunizieren.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Wer aktiv über Trade Republic handelt, sollte die eigene Orderhistorie durchgehen und prüfen, ob die neue Bestpreis-Order für die gewohnte Handelsweise ausreicht oder ob die gezielte Börsenwahl der Direktpreis-Order den Aufpreis wert ist. Für Trader bei anderen Neobrokern lohnt sich der Blick auf die eigene Preisseite, da sich Gebührenmodelle als Reaktion auf das Verbot in den kommenden Wochen weiter verschieben können. Wer aktuell einen Broker sucht oder wechseln will, findet einen aktuellen Vergleich in der Traden.de Broker-Topliste. Wer neben Trade Republic auch CFD- und Forex-Broker vergleicht, findet in den Pepperstone-Erfahrungen auf Traden.de ein weiteres Beispiel für ein anderes Gebührenmodell.
Chancen und Risiken
Der Wegfall von PFOF nimmt Brokern einen strukturellen Interessenkonflikt, da sie nicht mehr davon profitieren, Order gezielt an zahlende Marktmacher zu leiten. Das kann die Ausführungsqualität im Schnitt verbessern und schafft mehr Transparenz darüber, wofür genau bezahlt wird. Auf der anderen Seite können die Nominalgebühren im Einzelfall steigen, vor allem bei der Direktpreis-Order mit ihren 2 Euro pro Trade. Wer bislang von der Ein-Euro-Pauschale profitiert hat und häufig handelt, sollte die Kostenwirkung für das eigene Handelsverhalten konkret nachrechnen, statt sich auf allgemeine Aussagen zu verlassen.
Einordnung für Anleger und Trader
Für langfristige Anleger mit ETF-Sparplan ändert sich wenig, da diese bei den großen Anbietern weiterhin kostenlos bleiben. Für aktive Trader mit vielen Einzelorders ist die Sache komplexer: Die Wahl zwischen Bestpreis- und Direktpreis-Order wird zu einer echten Kostenentscheidung, die je nach Handelsstil unterschiedlich ausfällt. Wer öfter gezielt an bestimmten Börsenplätzen handelt, etwa bei US-Werten außerhalb der Handelszeiten europäischer Börsen, zahlt künftig bewusst für diese Flexibilität. Ein Blick in den Wirtschaftskalender hilft zusätzlich dabei, Handelsentscheidungen nicht isoliert, sondern im Kontext anstehender Marktereignisse zu treffen. Wer die Grundlagen unterschiedlicher Broker-Modelle vertiefen will, findet einen Einstieg im Artikel Den richtigen Broker finden. Die Entwicklung ist ein gutes Beispiel dafür, wie regulatorische Eingriffe die Kostenstruktur eines ganzen Marktsegments verändern, ohne dass ein einzelner Anbieter dadurch automatisch besser oder schlechter wird.
Fazit
Das PFOF-Verbot beendet ein Geschäftsmodell, das viele Neobroker über Jahre getragen hat, und zwingt sie zu einer offeneren Preisgestaltung. Trade Republic hat mit seinem zweistufigen Ordermodell früh reagiert, andere Broker ziehen mit eigenen Anpassungen nach. Für Trader bedeutet das vor allem eins: die eigene Kostenstruktur jetzt aktiv gegenprüfen, statt sie unverändert weiterlaufen zu lassen.







