Silber hat sich zurückgemeldet. Am Freitag, dem 19. September 2026, notierte das weiße Metall bei 66,22 US-Dollar je Feinunze und damit deutlich über seinen Sommertiefs. Auch Gold zeigt Stärke: Mit rund 4.377 Dollar (Stand 20. September) nähert sich das gelbe Metall wieder der Marke von 4.400 Dollar. Bemerkenswert ist das Timing, denn die US-Notenbank hat am 16. September die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Höhere Zinsen gelten klassisch als Gegenwind für zinslose Anlagen wie Edelmetalle. Dass Gold und Silber trotzdem anziehen, macht die Bewegung für Trader besonders interessant.
Silber legt seit Ende Juli rund 13 Prozent zu
Der Blick auf die Sommermonate zeigt, wie kräftig die Erholung ausfällt. Ende Juli kostete die Unze Silber noch 58,49 Dollar, Gold lag bei 4.055,70 Dollar. Seitdem hat Silber rund 13 Prozent zugelegt, Gold etwa 8 Prozent. Das weiße Metall läuft dem großen Bruder damit klar den Rang ab, nachdem es in der ersten Jahreshälfte deutlich stärker unter die Räder gekommen war: Per Ende Juli stand Silber auf Jahressicht noch mit über 17 Prozent im Minus, Gold mit gut 6 Prozent.
Der lange Schatten des Januar-Crashs
Um die aktuelle Bewegung einzuordnen, lohnt der Blick zurück. Im Januar 2026 erreichten beide Metalle historische Rekordstände: Gold markierte sein Allzeithoch bei 5.598 Dollar, Silber kletterte in der Spitze auf 121,64 Dollar. Was folgte, war eine der heftigsten Korrekturen der jüngeren Edelmetallgeschichte. Silber verlor vom Hoch bis zum Sommertief mehr als die Hälfte seines Wertes, Gold büßte gut ein Viertel ein.
Von den Januar-Höchstständen sind beide Metalle also weiterhin weit entfernt. Genau darin sehen manche Marktteilnehmer aber auch das Aufholpotenzial: Die Bodenbildung über den Sommer und der Anstieg seit Ende Juli deuten darauf hin, dass der Abwärtsdruck nachgelassen hat.
Gold-Silber-Ratio spricht für das weiße Metall
Ein Blick auf die Gold-Silber-Ratio unterstreicht die relative Stärke von Silber. Aktuell braucht es rund 66 Unzen Silber, um eine Unze Gold zu kaufen. Ende Juli lag das Verhältnis noch bei etwa 69. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Rally im Januar war die Ratio auf rund 47 gefallen, den niedrigsten Stand seit September 2011.
Fundamental bleibt die Silber-Story intakt. Nach Zahlen des Silver Institute lag das Angebotsdefizit am Silbermarkt 2025 zwischen rund 95 und 117,6 Millionen Unzen. Über die Jahre 2021 bis 2025 summiert sich die Unterversorgung auf fast 820 Millionen Unzen. Die industrielle Nachfrage, etwa aus Photovoltaik, Elektromobilität und Rechenzentren, erreichte 2024 mit über 680 Millionen Unzen einen Rekordwert. Da rund 70 Prozent des Silberangebots als Nebenprodukt anderer Minen anfällt und neue Projekte im Schnitt 12 bis 15 Jahre Vorlauf brauchen, kann das Angebot auf Preissignale nur träge reagieren.
Fed-Zinserhöhung als Belastungstest bestanden
Die Zinserhöhung der Fed vom 16. September war der erste Schritt nach oben seit 2023 und galt im Vorfeld als Risiko für den Edelmetallsektor. Dass Gold und Silber die Entscheidung nicht nur weggesteckt, sondern anschließend zugelegt haben, werten Marktbeobachter als Zeichen von Stärke. Offenbar überwiegen derzeit andere Kaufmotive, darunter die Absicherung gegen geopolitische Risiken und die anhaltend robuste physische Nachfrage.
Wie sich die Zinserwartungen weiterentwickeln, bleibt für beide Metalle der zentrale Taktgeber. Die kommenden US-Konjunkturdaten und Notenbanktermine finden Trader gebündelt im Wirtschaftskalender auf Traden.de.
Was Trader jetzt im Blick behalten sollten
Für die laufende Woche sehen die Analysten von Kagels Trading bei Silber im bullischen Szenario eine Spanne von 63,80 bis 71,40 Dollar, im bärischen Fall 58,80 bis 66,90 Dollar. Bei Gold wird kurzfristig eine Tagesspanne von 4.330 bis 4.410 Dollar erwartet. Solche Prognosen sind Einschätzungen, keine Gewissheiten, und sollten immer mit eigener Analyse unterlegt werden.
Wer die Positionierung der Profis verfolgen will, findet in den wöchentlichen COT-Daten Hinweise darauf, wie kommerzielle Händler und Großspekulanten an der COMEX aufgestellt sind. Auch ein Blick auf die Saisonalität lohnt: Das vierte Quartal zählt bei Edelmetallen historisch zu den stärkeren Phasen, wobei vergangene Muster keine Garantie für die Zukunft sind.
Wichtig für alle, die Silber oder Gold über CFDs oder gehebelte Produkte handeln: Der Hebel wirkt in beide Richtungen, und gerade Silber ist für seine hohe Volatilität bekannt. Ein Vergleich regulierter Anbieter, etwa über die Broker-Topliste, und ein konsequentes Risikomanagement gehören daher zur Grundausstattung.
Das Comeback der Edelmetalle ist noch jung, und der Weg zu den Januar-Rekorden ist weit. Doch die Kombination aus struktureller Angebotsknappheit bei Silber, nachlassendem Abwärtsdruck und einem bestandenen Zinstest liefert Tradern eine der spannendsten Ausgangslagen dieses Herbstes.








