Der US-Speicherchiphersteller Micron hat am 30. September 2026 Zahlen vorgelegt, die selbst für den laufenden KI-Boom außergewöhnlich sind. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das Ende August endete, stieg der Umsatz auf 54,23 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 11,32 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen sogar rund 61,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Trotzdem fiel die erste Kursreaktion erstaunlich verhalten aus.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
Umsatz und Gewinn über den Erwartungen
Laut Mitteilung von Micron lag der Quartalsumsatz bei 54,23 Milliarden US-Dollar nach 41,46 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Analysten hatten laut Stocktitan im Schnitt mit 51,07 Milliarden US-Dollar gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 33,42 US-Dollar bei einer Konsensschätzung von 31,61 US-Dollar. Nach US-Rechnungslegung (GAAP) waren es 32,87 US-Dollar je Aktie.
Besonders auffällig ist die Profitabilität. Die bereinigte Bruttomarge kletterte auf 87,0 Prozent. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 meldet Micron einen Umsatz von 133,19 Milliarden US-Dollar, nach 37,38 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2025.
Rechenzentren und HBM als Wachstumstreiber
Der Motor ist das Geschäft mit Rechenzentren. Die Sparte Core Data Center kam im vierten Quartal auf 18,0 Milliarden US-Dollar Umsatz, laut Stocktitan etwa das Elffache des Vorjahreswerts. Hinzu kommt der Hochleistungsspeicher HBM, der direkt neben KI-Beschleunigern verbaut wird. Die zuständige Cloud-Memory-Sparte steigerte ihren Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 18 Prozent auf 16,3 Milliarden US-Dollar.
Nach Unternehmensangaben läuft die neue Generation HBM4 doppelt so schnell an wie ihr Vorgänger HBM3E. Mit HBM4 hat Micron bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar umgesetzt. Die Preise für HBM im Kalenderjahr 2027 wurden deutlich angehoben. CEO Sanjay Mehrotra sagte, Speicher verstärke die Leistungsfähigkeit von KI-Plattformen und die Wettbewerbsfähigkeit der Kunden.
Der Ausblick: 61,5 Milliarden Dollar im nächsten Quartal
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet Micron einen Umsatz von 61,5 Milliarden US-Dollar, mit einer Spanne von plus oder minus 1,5 Milliarden US-Dollar. Der Markt hatte laut Stocktitan nur mit rund 57 Milliarden US-Dollar gerechnet. Beim bereinigten Gewinn je Aktie peilt das Unternehmen 38,15 US-Dollar an, ebenfalls mit einer Spanne von einem Dollar nach oben und unten. Zudem zahlt Micron am 29. Oktober 2026 eine Quartalsdividende von 0,15 US-Dollar je Aktie.
Warum die Aktie trotzdem kaum reagierte
Vor den Zahlen schloss die Micron-Aktie bei 1.065,11 US-Dollar. Der Optionsmarkt hatte eine Bewegung von sieben bis acht Prozent eingepreist. Tatsächlich schwankte die Aktie im nachbörslichen Handel zwischen leichten Gewinnen und leichten Verlusten und beendete die verlängerte Sitzung laut Stocktitan nur 0,37 Prozent im Plus.
Ein Grund für die Zurückhaltung liegt in den Details. Die prognostizierte Bruttomarge von rund 86,25 Prozent liegt etwas unter dem gerade erreichten Wert. Finanzchef Mark Murphy sprach davon, dass das erste Quartal die Untergrenze für die Margen sein solle, stellte aber zugleich moderatere Preissteigerungen in Aussicht. Die Lagerbestände stiegen auf 129 Tage Reichweite und damit um neun Tage gegenüber dem Vorquartal.
Hinzu kommt die Erfahrung früherer Zyklen. Speicherchips gelten als klassisches Zyklusgeschäft. Nach dem Margenhoch 2018 fiel die Bruttomarge von Micron innerhalb von vier Quartalen von 61 auf unter 29 Prozent. Nach dem Hoch 2021 rutschte sie sechs Quartale später sogar in den negativen Bereich. Laut Branchenschätzungen soll nennenswerte neue DRAM-Kapazität ab Mitte 2027 auf den Markt kommen.
Was Analysten sagen
Die Analysten blieben nach den Zahlen überwiegend optimistisch. Laut Stocktitan bestätigten die großen Häuser ihre Kaufempfehlungen. Rosenblatt erhöhte das Kursziel von 1.500 auf 1.900 US-Dollar, D.A. Davidson von 2.000 auf 2.100 US-Dollar. Das durchschnittliche Kursziel von 49 Analysten liegt bei rund 1.534 US-Dollar. Solche Einschätzungen sind keine Garantie für die weitere Kursentwicklung.
Gleichzeitig gibt es Bremsspuren bei den Abnehmern. Das Marktforschungsinstitut IDC rechnet für 2026 mit einem Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um 16,7 Prozent und bei PCs um 11,3 Prozent. Die stark gestiegenen Speicherpreise belasten die Margen der Gerätehersteller.
Worauf Trader jetzt achten sollten
Die Zahlen von Micron gelten als Frühindikator für die gesamte Halbleiterbranche und für die Nachfrage nach KI-Infrastruktur. In den kommenden Wochen startet die Berichtssaison zum dritten Quartal, in der unter anderem Chip- und Cloud-Konzerne ihre Investitionspläne offenlegen. Die Termine finden sich im Quartalszahlen-Kalender, wie sich Halbleiterwerte im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickeln, zeigt die Heatmap.
Makroseitig bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen lagen zuletzt auf dem höchsten Stand seit 2002, was hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck setzen kann. Wichtige Konjunkturdaten stehen im Wirtschaftskalender. Ob der Speicherzyklus diesmal länger hält oder sich ein Hoch abzeichnet, diskutieren Trader im Trading-Forum.








