Der Goldpreis hat sich in der ersten Novemberwoche spürbar vom Jahrestief gelöst. Nachdem die Feinunze am 30. Oktober 2026 bis auf 3.869,85 US-Dollar gefallen war, schloss Gold am Freitag, 6. November, bei rund 4.069 US-Dollar. Laut Reuters lag das Wochenplus am Freitagmittag bei etwa 5 Prozent, es war die stärkste Woche seit mehr als zwei Monaten. Doch der überraschend starke US-Jobreport hat die Erholung am Freitag bereits gebremst. Für Trader stellt sich damit vor den US-Inflationsdaten am 10. November die Frage, ob aus der Gegenbewegung eine echte Trendwende wird.
Gold: Vom Rekord zum Jahrestief
Um die aktuelle Lage einzuordnen, lohnt der Blick zurück. Ende Januar 2026 erreichte Gold ein Rekordhoch von knapp 5.600 US-Dollar je Feinunze, nachdem das Edelmetall 2025 um rund 64 Prozent gestiegen war. Seitdem hat der Preis zeitweise fast 30 Prozent verloren. Wer Gold als sicheren Hafen in einem Jahr mit Iran-Krieg, Ölpreisschock und politischer Unsicherheit erwartet hätte, wurde damit enttäuscht.
Warum Gold trotz Krisen gefallen ist
Der wichtigste Grund sind die Zinsen. Die US-Notenbank hat ihren Kurs in diesem Jahr deutlich verschärft, und die Renditen von US-Staatsanleihen sind gestiegen. Gold wirft selbst keine Zinsen ab. Steigen die Renditen sicherer Anleihen, wird das Edelmetall im Vergleich unattraktiver. Jeff Guo, Co-Moderator des NPR-Podcasts Planet Money, bringt es auf den Punkt: Gold gelte zwar als sicherer Hafen und Inflationsschutz, das Problem sei aber, dass es selbst keine Erträge erwirtschafte. Inflationsgeschützte US-Anleihen bieten derzeit dagegen eine Rendite oberhalb der Teuerung.
Hinzu kam Ende Oktober ein technischer Faktor. Während des Ausverkaufs bei Technologieaktien mussten viele Anleger Nachschussforderungen bedienen und verkauften dafür auch Gold. Der Druck auf den Preis verstärkte sich dadurch kurzfristig.
Die Erholung in der ersten Novemberwoche
Ab Montag, 2. November, drehte die Stimmung. Den wichtigsten Impuls lieferte der Ölmarkt. Hoffnungen auf Verhandlungen zur Entspannung im Nahen Osten ließen die Ölpreise im Wochenverlauf um rund 8 Prozent fallen, Brent notierte am Freitag nur noch in der Nähe von 100 US-Dollar je Barrel. Hintergründe dazu finden Sie in unserem Artikel zum Ölpreis-Absturz nach den Iran-Friedensgesprächen.
Billigeres Öl dämpft die Inflationssorgen und damit den Druck auf die Zinsen. Genau diesen Zusammenhang betont Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst bei UBS. Er sieht derzeit wieder eine „extrem starke Korrelation“ zwischen Ölpreis, Inflation und Gold. Nach den Midterm-Wahlen am 3. November fiel zudem der US-Dollar auf ein Monatstief, und die Anleiherenditen gaben auf ein Zweimonatstief nach. Beides stützte Gold. Am Donnerstag, 5. November, erreichte der Preis im Handelsverlauf rund 4.147 US-Dollar.
Der Jobreport bremst den Aufschwung
Am Freitag folgte der Dämpfer. Die US-Wirtschaft schuf im Oktober 165.000 neue Stellen und damit weit mehr als erwartet. Der Dollar legte zu, die Renditen stiegen wieder, und Gold fiel im Tagesverlauf zeitweise um mehr als 1 Prozent. Die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember stieg nach dem Bericht laut CME FedWatch auf deutlich über 70 Prozent. Die Details zum Arbeitsmarkt lesen Sie in unserem Beitrag zum US-Jobreport Oktober.
Auch bei den Banken ist die Zuversicht gesunken. Goldman Sachs hat seine Prognose für den Goldpreis zum Jahresende 2026 laut Reuters von 4.650 auf 4.150 US-Dollar gesenkt und verweist auf die straffe Geldpolitik der Fed. Silber hielt sich am Freitag mit rund 52 US-Dollar je Unze stabiler.
Was Trader jetzt beobachten sollten
US-Inflation am 10. November
Der nächste wichtige Termin ist Dienstag, 10. November. Um 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise für Oktober. Fällt die Inflation höher aus als erwartet, dürfte das die Zinserwartungen weiter nach oben treiben und Gold belasten. Ein schwächerer Wert könnte dagegen die Erholung stützen. Alle Termine der Woche finden Sie im Wirtschaftskalender.
Öl, Dollar und Positionierung
Neben den Inflationsdaten bleibt der Ölpreis ein entscheidender Faktor. Scheitern die Gespräche im Nahen Osten und steigt Öl wieder deutlich, könnten die Zinssorgen schnell zurückkehren. Gleiches gilt für einen anhaltend festen Dollar. Wer wissen möchte, wie große Marktteilnehmer bei Gold positioniert sind, findet in den COT-Daten wöchentliche Hinweise zur Stimmung der Spekulanten. Ein Blick auf die Saisonalität zeigt zudem, wie sich Gold in der Vergangenheit im November und Dezember entwickelt hat. Historische Muster sind allerdings keine Garantie für die Zukunft.
Charttechnisch ist die Spanne zwischen dem Jahrestief bei rund 3.870 US-Dollar und dem Wochenhoch bei rund 4.147 US-Dollar aktuell der wichtigste Orientierungsrahmen.
Fazit: Erholung mit Fragezeichen
Gold hat in der ersten Novemberwoche gezeigt, dass nach dem tiefen Fall durchaus Käufer zurückkehren. Billigeres Öl, ein schwächerer Dollar und fallende Renditen haben die Erholung getragen. Der starke Jobreport macht aber deutlich, wie eng der Goldpreis derzeit an die Zinserwartungen gekoppelt ist. Solange die Fed eine weitere Zinserhöhung im Dezember im Raum stehen lässt, bleibt der Gegenwind groß. Die Inflationsdaten am 10. November dürften deshalb über die nächste Richtung entscheiden. Wer Gold über CFDs oder andere gehebelte Produkte handelt, sollte die erhöhten Schwankungen rund um solche Termine im Risikomanagement berücksichtigen.








