Bitcoin hat ein Problem, und es liegt bei genau 65.000 US-Dollar. Viermal in vier Tagen ist der Kurs an diese Marke gelaufen, viermal ist er abgeprallt. Am Donnerstagmorgen notierte Bitcoin bei rund 63.400 Dollar, ein Minus von 0,23 Prozent gegenüber dem Vortag. Das höchste Niveau der Serie lag bei 65.300 Dollar. Mehr war nicht drin.
Für sich genommen wäre das eine Randnotiz. Interessant wird es durch das Umfeld: Die US-Inflation kam am Mittwoch freundlich herein, in die Spot-ETFs fließt wieder Geld, und trotzdem bewegt sich der Kurs seitwärts. Wenn gute Nachrichten nicht mehr in höhere Kurse übersetzt werden, sagt das etwas über die Kräfteverhältnisse im Markt.
Vier Anläufe, vier Zurückweisungen
Die 65.000er-Marke war vor drei Wochen noch eine andere Geschichte. Am 21. Juli lag Bitcoin bei etwa 65.425 Dollar, und die Diskussion drehte sich darum, ob die Rückkehr über diese Schwelle das Ende der ETF-Abflüsse markiert. Inzwischen hat sich die Rolle der Marke gedreht: Was im Juli als Sprungbrett galt, wirkt jetzt als Deckel.
Technisch lässt sich das an den gleitenden Durchschnitten ablesen. Der 50-Tage-EMA verläuft bei 64.523 Dollar und liegt damit über dem aktuellen Kurs. Solange Bitcoin darunter bleibt, ist die kurzfristige Struktur angeschlagen. Der 100-Tage-EMA folgt bei 66.718 Dollar. Beim langfristigen Durchschnitt gehen die Angaben je nach Berechnungsmethode auseinander, die Spanne reicht von rund 70.000 Dollar für den einfachen 200-Tage-Schnitt bis 73.303 Dollar für die exponentielle Variante. Nach unten ist die relevante Marke das Juli-Tief bei 61.307 Dollar.
Die Zuflüsse laufen, der Kurs nicht
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen Nachfrage und Preis. Bis zum 7. August flossen 865 Millionen Dollar in die US-Spot-Bitcoin-Fonds. Das ist kein Abfluss-Szenario, das ist Zufluss. Nur kommt davon am Kurs nichts an.
Solche Konstellationen bedeuten in der Regel, dass auf der anderen Seite in ähnlicher Größenordnung verkauft wird. Wer im Frühjahr höher eingestiegen ist, nutzt eine Erholung zum Ausstieg. Das ist keine Prognose, sondern die Beschreibung eines Marktes, der Geld aufnimmt, ohne zu steigen. Für die Einordnung solcher Divergenzen über mehrere Märkte hinweg hilft ein Blick auf die Heatmap.
Dazu passt die Stimmungslage. Der Stimmungsindex des Kryptomarktes steht seit Mitte Juli unverändert bei 30 Punkten und damit im vorsichtigen Bereich. Ein Markt, der Zuflüsse verzeichnet, vorsichtig gestimmt ist und trotzdem nicht steigt, hat keine klare Richtung.
Warum der CPI nicht gereicht hat
Die US-Verbraucherpreise für Juli lagen am Mittwoch exakt im Rahmen der Erwartungen: plus 0,1 Prozent zum Vormonat und 3,4 Prozent im Jahresvergleich nach zuvor 3,5 Prozent. Die Kernrate stieg um 0,2 Prozent zum Vormonat und 2,5 Prozent im Jahresvergleich, das ist der langsamste Wert seit März 2021.
Bitcoin sprang direkt nach der Veröffentlichung von 63.400 über 64.000 Dollar und gab die Gewinne anschließend wieder ab. Genau das ist der Punkt: Die Daten trafen die Erwartungen, sie überraschten nicht. Ohne Überraschung fehlt der Impuls, und die Zinserwartungen an die Fed bleiben offen. Wann die nächsten Konjunkturdaten anstehen, zeigt der Wirtschaftskalender.
XRP verliert eine Unterstützung, die 21 Monate gehalten hat
Deutlicher als bei Bitcoin ist die Schwäche bei den großen Altcoins. XRP notiert bei 1,01 Dollar und damit auf dem tiefsten Stand seit 21 Monaten, auf Wochensicht rund sechs Prozent im Minus. Entscheidend ist dabei weniger der Kurs selbst als der Bruch: Die Unterstützung bei 1,04 Dollar hatte seit November 2024 jeden Wochenschluss gehalten. Sie ist gefallen, der tiefste Wochenschluss seit fast zwei Jahren steht in den Büchern, zwischenzeitlich wurden 0,9923 Dollar gehandelt.
Auch sonst fehlt die Breite. Ethereum liegt bei rund 1.881 Dollar und damit praktisch unverändert, BNB verliert 0,77 Prozent auf 610 Dollar, Solana und Dogecoin geben ebenfalls nach.
Was das für die Einordnung bedeutet
Ein Markt, in dem die Leitwährung an einem Widerstand hängt, während die Nebenwerte neue Mehrjahrestiefs markieren, ist kein Markt mit Risikoappetit. Kapital konzentriert sich, es verteilt sich nicht. Wer Marken, Durchschnitte und mögliche Umkehrpunkte systematischer lesen möchte, findet in unserer Anleitung zu Fibonacci-Retracements einen praktischen Einstieg.
Welche Marken jetzt zählen
Nach oben bleibt die Zone zwischen 65.000 und 65.300 Dollar der Prüfstein, davor liegt der 50-Tage-EMA bei 64.523 Dollar als erste Hürde. Nach unten steht das Juli-Tief bei 61.307 Dollar im Fokus. Bei XRP ist die runde Ein-Dollar-Marke die Referenz, nachdem die 1,04 Dollar gefallen sind.
Ob aus der Seitwärtsphase ein Ausbruch oder ein Rücksetzer wird, entscheidet sich an diesen Marken und nicht an der nächsten Schlagzeile. Wie andere Trader die Lage einschätzen, lässt sich im Traden.de Forum verfolgen. Wer Handelskosten und verfügbare Instrumente vergleichen möchte, findet die Übersicht in der Broker-Topliste.







