Coldcard-Hack: Fünf Jahre alter Firmware-Fehler kostet Bitcoin-Besitzer bis zu 89 Millionen Dollar

Coldcard-Hack: Fünf Jahre alter Firmware-Fehler kostet Bitcoin-Besitzer bis zu 89 Millionen Dollar

Coldcard-Hack: Fünf Jahre alter Firmware-Fehler kostet Bitcoin-Besitzer bis zu 89 Millionen Dollar

Firmware-Bug von 2021 kostet Coldcard-Nutzer bis zu 89 Mio. USD in BTC. Was Bitcoin-Halter jetzt zur Wallet-Sicherheit prüfen sollten.

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Hardware-Wallet mit rotem Warnlicht neben unscharfer Bitcoin-Münze, Symbolbild zum Coldcard-Hack

Firmware-Fehler statt Geräte-Hack: Coldcard-Wallets verloren 1.082 BTC

Ein Zufallszahlen-Fehler in der Firmware der Hardware-Wallet Coldcard hat Angreifern am 30. Juli 2026 in nur 41 Minuten rund 1.082 BTC erbeutet. Nach ersten Berichten über 70 Millionen US-Dollar Schaden korrigierten mehrere Quellen die Summe in den Folgetagen auf bis zu 89 Millionen US-Dollar. Betroffen war keine Diebstahl-Attacke auf die Geräte selbst, sondern ein 2021 eingebauter Fehler bei der Erzeugung privater Schlüssel.

Auf einen Blick

  • Angriff am 30.07.2026 zwischen 01:10 und 01:51 UTC, sechs Blöcke, 1.196 geleerte Adressen

  • Gestohlene Menge laut Galaxy-Research-Kartierung: 1.082,65 BTC, zum Tatzeitpunkt rund 70,2 Mio. USD

  • Nachträglich identifizierte weitere Wellen ließen den Gesamtschaden auf rund 89 Mio. USD steigen

  • Ursache: Firmware-Bug aus März 2021, Seed-Erzeugung lief über einen deterministischen Software-Zufallsgenerator statt über den STM32-Hardware-Chip

  • Betroffen: Mk2, Mk3, Mk4, Q, Mk5 – Hersteller Coinkite warnte gezielt Mk3-Besitzer

  • Notfall-Firmware verfügbar: 4.2.0 (Mk3), 5.6.0 (Mk4/Mk5), 1.5.0Q (Q)

Warum das Thema jetzt relevant ist

Für Trader, die Bitcoin über eine Börse handeln, ändert der Vorfall wenig am Tagesgeschäft. Für alle, die eigene Bestände in Self-Custody halten, ist er ein Weckruf. Hardware-Wallets gelten seit Jahren als sicherster Weg, Bitcoin außerhalb von Börsen zu verwahren, gerade weil Börsen-Hacks und Insolvenzen wiederholt gezeigt haben, wie schnell fremd verwahrte Coins verloren gehen können. Der Coldcard-Fall zeigt, dass auch Self-Custody nicht automatisch Sicherheit bedeutet, wenn ein Fehler tief in der Firmware steckt und über Jahre unentdeckt bleibt.

Die wichtigsten Fakten

Der Angriff: 41 Minuten, 1.082 BTC

Laut CoinDesk leerten die Angreifer zwischen 01:10 und 01:51 UTC am 30. Juli über sechs Blöcke hinweg 1.196 Adressen. Galaxy Research kartierte für diese Welle 1.082,65 BTC, zum Tatzeitpunkt rund 70,2 Millionen US-Dollar. Über alle bislang identifizierten Wellen kommt Galaxy auf rund 1.367 BTC und damit etwa 88,6 Millionen US-Dollar. In den folgenden Tagen meldeten Fox Business und TheStreet Crypto weitere, nachträglich identifizierte Angriffswellen, wodurch der geschätzte Gesamtschaden bis zum 1. und 2. August auf rund 89 Millionen US-Dollar kletterte.

Die Ursache: ein fünf Jahre alter Programmierfehler

Der eigentliche Skandal liegt im Alter des Fehlers. Nach Recherchen von CoinDesk und The Hacker News führt die Lücke auf einen Firmware-Bug aus März 2021 zurück. Statt den privaten Schlüssel über den echten Hardware-Zufallsgenerator des STM32-Chips zu erzeugen, griff die betroffene Firmware-Version auf einen deterministischen Software-Zufallsgenerator zurück. Praktisch bedeutet das: Statt eines nahezu unerschöpflichen Schlüsselraums standen nur rund 4 Milliarden mögliche Schlüssel zur Verfügung, eine Zahl, die sich mit heutiger Rechenleistung systematisch durchprobieren lässt. Die Geräte selbst mussten die Angreifer dafür nicht anfassen, der Fehler steckte allein in der Software.

Die Reaktion: Notfall-Firmware und gezielte Warnungen

Hersteller Coinkite hat nach eigenen Angaben Notfall-Firmware veröffentlicht: Version 4.2.0 für Mk3-Geräte, 5.6.0 für Mk4 und Mk5 sowie 1.5.0Q für das Modell Q. Laut einer Block-Analyse, über die CoinDesk berichtet, betraf der Fehler die Modelle Mk2, Mk3, Mk4, Q und Mk5, wobei Coinkite insbesondere Mk3-Besitzer gezielt warnte und neuere Geräte laut eigener Einschätzung als nicht betroffen einstuft. Für Nutzer bedeutet das konkret: Wallets, deren Seed mit einer verwundbaren Firmware-Version erzeugt wurde, gelten als kompromittiert, unabhängig davon, ob bereits ein Update installiert wurde.

Was Bitcoin-Halter und Trader jetzt beobachten sollten

Wer eine Coldcard besitzt, sollte prüfen, mit welcher Firmware-Version der eigene Seed ursprünglich erzeugt wurde, und im Zweifel auf ein neues Wallet mit frisch generiertem Seed umziehen, statt sich allein auf ein Firmware-Update zu verlassen. Für aktive Trader ist der Fall zudem ein Anlass, die eigene Verwahrstrategie zu überprüfen: Wie viele Coins liegen auf einer einzelnen Hardware-Wallet, wie alt ist die Firmware, und gibt es eine Aufteilung auf mehrere Geräte oder Verwahrmethoden. Der Vorfall betrifft ausschließlich Self-Custody-Nutzer der genannten Coldcard-Modelle, nicht den Bitcoin-Kurs oder andere Wallet-Hersteller direkt. Wie andere Nutzer mit dem Vorfall umgehen und welche zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen sie diskutieren, lässt sich auch in der Traden.de-Community nachlesen.

Chancen und Risiken

Die Chance liegt darin, dass der Fehler jetzt öffentlich dokumentiert und durch Firmware-Updates adressiert ist, wodurch betroffene Nutzer aktiv reagieren können. Auf der Risikoseite steht, dass niemand zuverlässig beziffern kann, wie viele weitere Wallets mit der fehlerhaften Firmware im Umlauf sind und ob zusätzliche Angriffswellen folgen. Hinzu kommt ein Vertrauensrisiko für den gesamten Hardware-Wallet-Markt: Ein fünf Jahre unentdeckter Fehler bei einem etablierten Anbieter wirft die Frage auf, wie gründlich Sicherheitsaudits bei Konkurrenzprodukten tatsächlich sind.

Einordnung für Anleger und Trader

Der Bitcoin-Kurs selbst zeigte sich vom Vorfall bislang wenig beeindruckt. Laut Benzinga pendelte BTC am Wochenende zwischen rund 62.890 und 63.700 US-Dollar und schloss die Woche bei etwa 63.153 US-Dollar, ein Minus von rund 2 Prozent auf Wochensicht. Der Coldcard-Hack ist damit aktuell ein Custody-Thema, kein Kurstreiber. Das kann sich ändern, sollte sich herausstellen, dass deutlich mehr Wallets betroffen sind als bisher bekannt, oder sollten weitere Hersteller ähnliche Schwächen offenlegen. Wer sich grundsätzlich näher mit dem Comeback des Bitcoin-Kurses nach den jüngsten ETF-Zuflüssen oder mit den vorangegangenen ETF-Abflüssen im Juli beschäftigen möchte, findet dort den Kursverlauf der vergangenen Wochen eingeordnet. Einen schnellen Überblick über die aktuelle Marktbreite über Bitcoin hinaus liefert die Heatmap für Märkte auf Traden.de.

Fazit

Der Coldcard-Fall zeigt, dass Self-Custody kein Selbstläufer ist, sondern aktive Kontrolle verlangt, insbesondere bei älteren Firmware-Versionen. Für Trader mit eigenen Bitcoin-Beständen lohnt sich jetzt ein nüchterner Check der eigenen Wallet-Historie statt Panik. Wie viele weitere Fälle noch auftauchen, ist offen.

Über den Autor

Marktberichte, Finanznachrichten und Tradingwissen unter redaktioneller Leitung von Daniel Szymanski, mit über 15 Jahren Erfahrung im aktiven Trading.

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