AMD hat am Dienstag, 3. November 2026, nach US-Börsenschluss Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die Analysten und Anleger gleichermaßen überrascht haben. Der Chipkonzern steigerte den Umsatz um 45 Prozent auf den Rekordwert von 13,4 Milliarden US-Dollar. Noch stärker fiel der Ausblick aus: Für das vierte Quartal erwartet AMD rund 17 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel um rund 8 Prozent zu.
Damit liefert AMD genau das Gegenbild zu Intel. Der Konkurrent war am 30. Oktober nach einem schwachen Ausblick um 29 Prozent eingebrochen und hatte den gesamten Chipsektor mit nach unten gezogen. Die Frage, ob KI-Werte grundsätzlich neu bewertet werden, hat AMD vorerst klar beantwortet.
Die Zahlen im Überblick
Laut Unternehmensmitteilung vom 3. November erzielte AMD im dritten Quartal einen Umsatz von 13,4 Milliarden US-Dollar und lag damit über dem oberen Ende der eigenen Prognose. Analysten hatten nach Daten von LSEG, die CNBC zitiert, mit 13,09 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 74 Prozent auf 2,09 US-Dollar. Die Konsensschätzung lag bei rund 1,95 US-Dollar. Nach GAAP verdiente AMD 1,46 US-Dollar je Aktie, der Nettogewinn betrug 2,4 Milliarden US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge kletterte auf 56 Prozent, ein Plus von 1,9 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Rechenzentren tragen das Wachstum
Der eigentliche Treiber ist das Rechenzentrumsgeschäft. Die Sparte Data Center steigerte den Umsatz um 97 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar. Sie steht inzwischen für rund 64 Prozent des Konzernumsatzes, vor einem Jahr waren es noch 47 Prozent. Getragen wurde das Wachstum von Rekordverkäufen der KI-Beschleuniger der Instinct-Reihe und der Serverprozessoren EPYC.
Die übrigen Sparten entwickelten sich uneinheitlich:
Client: 2,9 Milliarden US-Dollar, plus 7 Prozent
Gaming: 773 Millionen US-Dollar, minus 40 Prozent
Embedded: 1,1 Milliarden US-Dollar, plus 29 Prozent
Das schwache Gaming-Geschäft fällt angesichts der Dynamik im Rechenzentrum kaum noch ins Gewicht.
Ausblick deutlich über den Erwartungen
Für das vierte Quartal 2026 stellt AMD einen Umsatz von etwa 17 Milliarden US-Dollar in Aussicht, mit einer Spanne von plus oder minus 3 Prozent. Das entspräche einem Wachstum von rund 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 27 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Analysten hatten im Schnitt nur 16,2 Milliarden US-Dollar erwartet.
Laut Investorenpräsentation soll der Umsatz im Rechenzentrum im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um etwa 50 Prozent steigen. Für Client und Gaming rechnet AMD dagegen mit einem Rückgang von mehr als 20 Prozent. Einziger kleiner Makel: Die bereinigte Bruttomarge soll bei etwa 55 Prozent liegen und damit knapp unter den 55,3 Prozent, die Analysten im Schnitt erwartet hatten.
MI450 und Helios als nächster Hebel
Konzernchefin Lisa Su sprach von einem Rekordquartal, in dem sich der Umsatz im Rechenzentrum gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt habe. Für das kommende Jahr hat AMD nach eigenen Angaben entlang der gesamten Lieferkette vorgesorgt. Wafer, Substrate, Packaging und Speicher seien gesichert, um „deutlich höheres Wachstum im nächsten Jahr“ zu unterstützen, so Su laut CNBC.
Im Mittelpunkt stehen die neuen KI-Beschleuniger der Serie Instinct MI450 und die darauf basierenden Rack-Systeme Helios. Laut AMD nutzen bereits Anthropic, Meta, Microsoft, OpenAI und Oracle Cloud Infrastructure Helios-Systeme für ihre Modelle. Su erwartet zudem, dass die Nachfrage mit der breiteren Verbreitung von KI-Agenten stark steigen wird.
So reagiert die Aktie
Die AMD-Aktie hatte bereits im regulären Handel am 3. November um 3,65 Prozent auf 483,90 US-Dollar zugelegt, gestützt von einer allgemeinen Erholung der Chipwerte. Nachbörslich ging es um weitere 7,5 Prozent auf rund 520 US-Dollar nach oben. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs damit mehr als verdoppelt.
Am selben Tag hatten der S&P 500 und der Nasdaq Composite ihre dreitägigen Verlustserien beendet. Der Nasdaq stieg um 0,8 Prozent, während der Dow Jones leicht nachgab. Wie breit die Erholung im Halbleitersektor ausfällt, lässt sich in der Heatmap verfolgen.
Worauf Trader jetzt achten
Mit den AMD-Zahlen hat sich die Stimmung im Chipsektor innerhalb weniger Tage gedreht. Der Kontrast zum Intel-Absturz vom 30. Oktober zeigt, wie stark Anleger derzeit zwischen Gewinnern und Verlierern im KI-Geschäft unterscheiden. Entscheidend ist nicht das abgelaufene Quartal, sondern der Ausblick.
Für den weiteren Verlauf sind mehrere Faktoren wichtig:
Reaktion im regulären Handel am 4. November: Nachbörsliche Gewinne halten nicht immer bis zur Eröffnung.
Ergebnis der US-Midterms: Die Wahl vom 3. November kann zusätzliche Bewegung in den gesamten Markt bringen. Die übrigen Termine der Woche bis zum Arbeitsmarktbericht am Freitag stehen in unserer Börsenwoche.
Weitere Quartalszahlen aus dem KI-Umfeld: Die nächsten Berichte der Branche sind im Quartalszahlen-Kalender gelistet.
Nach Quartalszahlen sind Kurslücken von 10 Prozent und mehr im Chipsektor derzeit keine Seltenheit. Wer solche Bewegungen mit CFDs oder anderen gehebelten Produkten handelt, trägt ein entsprechend hohes Verlustrisiko, da der Hebel Gewinne und Verluste gleichermaßen verstärkt. Die Handelsbedingungen verschiedener Anbieter lassen sich in der Broker-Topliste vergleichen.
Ob AMD den Schwung ins Jahr 2027 tragen kann, hängt vor allem davon ab, wie schnell die MI450-Systeme bei den großen Cloud-Anbietern in die Breite gehen und ob die Margen trotz des schnellen Ausbaus stabil bleiben.








