Microsoft und Meta legen heute Abend ihre Quartalszahlen vor, zwei Stunden nachdem die US-Notenbank um 20:00 Uhr MESZ über die Zinsen entschieden hat. Es ist der dichteste Termin einer ohnehin dichten Börsenwoche mit Fed und Big-Tech-Earnings. Und er stellt die Frage, die den Markt seit Tagen umtreibt: Belohnen Anleger die Milliarden-Investitionen in KI-Infrastruktur noch, oder bestrafen sie sie inzwischen?
Auf einen Blick
Fed-Zinsentscheid 20:00 Uhr MESZ, Pressekonferenz mit Kevin Warsh 20:30 Uhr; das Ergebnis ist bei Redaktionsschluss offen
Microsoft (Q4 des Geschäftsjahres 2026): Zahlen um 22:00 Uhr MESZ, Konsens rund 87,6 Mrd. USD Umsatz und 4,24 USD bereinigter Gewinn je Aktie
Meta (Q2 2026): Zahlen um 22:05 Uhr MESZ, Konsens rund 60,2 Mrd. USD Umsatz und etwa 7,18 USD je Aktie
Optionen preisen bei Microsoft laut INDmoney eine Bewegung von 6,7 bis 7,2 Prozent nach den Zahlen ein
Beide Aktien notieren 25 bis 30 Prozent unter ihren Hochs, obwohl die Umsätze zweistellig wachsen (Stand 28. Juli)
Ebenfalls nach US-Börsenschluss: Qualcomm, Lam Research, Starbucks und ARM
Erst die Fed, dann die Zahlen: der Fahrplan des Abends
Um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht die Fed ihr Zinsstatement, um 20:30 Uhr tritt Fed-Chef Kevin Warsh vor die Presse. Der Ausgang ist offen: Die Mehrheit der Beobachter erwartet unveränderte Zinsen, Zins-Swaps preisten laut Bloomberg zuletzt aber rund eine Eins-zu-drei-Chance auf eine Erhöhung ein. Die Szenarien haben wir gestern in der FOMC-Vorschau aufgeschlüsselt.
Um 22:00 Uhr folgt Microsoft, um 22:05 Uhr Meta (Call um 22:30 Uhr). Alle weiteren Termine der Woche stehen im Quartalszahlen-Kalender, den heutigen Fed-Termin und alle weiteren marktrelevanten Ereignisse liefert der Wirtschaftskalender. Für Trader heißt das: Wer eine Position auf die Earnings hält, trägt zwei Stunden lang zusätzlich das volle Zinsrisiko.
Microsoft: Azure gegen die eigene Messlatte
Der Konsens erwartet laut INDmoney und TipRanks rund 87,6 Mrd. USD Umsatz (plus etwa 15 Prozent) und ein bereinigtes Ergebnis von 4,24 USD je Aktie. Microsoft selbst hatte 86,7 bis 87,8 Mrd. USD in Aussicht gestellt. Viel Puffer bleibt da nicht.
Die entscheidende Zahl ist das Azure-Wachstum. Die eigene Guidance liegt bei 39 bis 40 Prozent in konstanter Währung, im Vorquartal waren es 39 Prozent. Das KI-Geschäft in Azure lief zuletzt mit einer annualisierten Run-Rate von über 37 Mrd. USD, ein Plus von 123 Prozent zum Vorjahr.
Dem steht ein Investitionsrekord gegenüber: mehr als 40 Mrd. USD Capex in einem einzigen Quartal, für das Kalenderjahr 2026 laut INDmoney rund 190 Mrd. USD. Das wären 61 Prozent mehr als 2025, davon etwa 25 Mrd. USD allein wegen gestiegener Komponentenpreise. Die Aktie notierte am 28. Juli bei 389 USD, rund 30 Prozent unter dem Hoch vom Juli 2025.
Meta: Alles hängt an der Capex-Spanne
Bei Meta erwartet der Konsens rund 60,2 Mrd. USD Umsatz, ein Plus von etwa 27 Prozent. Beim Gewinn je Aktie stehen aber nur rund 7,18 USD auf dem Zettel, kaum mehr als vor einem Jahr. Der Grund: Die KI-Ausgaben fressen das Wachstum auf. Für 2026 hat Meta die Investitionsspanne bereits einmal angehoben, von 115 bis 135 auf 125 bis 145 Mrd. USD.
Wie empfindlich der Markt darauf reagiert, zeigte das erste Quartal: Trotz starker Umsatzprognose fiel die Aktie nachbörslich rund 6 Prozent, weil die erhöhte Investitionsplanung alles andere überlagerte. Seit dem Hoch bei 796,25 USD im August 2025 hat Meta rund ein Viertel verloren (Stand 28. Juli: etwa 600 USD). Die Frage des Abends ist deshalb weniger der Umsatz als die Guidance: Bestätigt Meta die Spanne oder hebt sie erneut an?
Das Umfeld hat sich gedreht
Noch vor wenigen Monaten galten hohe KI-Investitionen als Kaufargument. Inzwischen honoriert der Markt das Gegenteil: Am 27. Juli löste Apple, der Konzern, der KI-Kapazität lieber mietet als selbst baut, Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt ab. Am Dienstag, dem 28. Juli, stieg der Dow Jones um 1,0 Prozent, während der Nasdaq Composite nachgab. Auch der Chip-Ausverkauf in Asien mit Kursstürzen bei Samsung und SK Hynix hatte dieselbe Wurzel: Zweifel, ob sich die Finanzierungslast des KI-Ausbaus rechnet. Schon die TSMC-Quartalszahlen zur KI-Chip-Nachfrage hatten gezeigt, wie genau der Markt inzwischen zwischen robuster Nachfrage und ausufernden Investitionskosten unterscheidet. Heute erholten sich Kospi und Nikkei zwar deutlich, die Nervosität bleibt aber hoch.
Genau in diese Stimmung hinein berichten die beiden Konzerne mit den größten Capex-Budgets der Branche.
Was Trader heute Abend beobachten sollten
Die Azure-Zahl: Trifft Microsoft die 39 bis 40 Prozent oder reißt der Konzern die eigene Messlatte?
Metas Capex-Guidance: Bestätigung, Anhebung oder Präzisierung. Die Kursreaktion dürfte stärker an dieser Zeile hängen als am Umsatz.
Die Reihenfolge: Die Marktreaktion auf die Fed um 20:00 Uhr kann die Ausgangslage für die Earnings komplett verschieben.
Der Handelsweg: Nach US-Börsenschluss ist der Nasdaq-Future der liquideste Weg; die Kassa-Reaktion, auch im DAX, kommt erst am Donnerstag zur Eröffnung.
Chancen und Risiken
Starke Azure-Zahlen und eine bestätigte Meta-Guidance könnten den KI-Werten nach der schwachen Woche Entlastung bringen, mit Nvidia, AMD und den asiatischen Chipwerten im Schlepptau. Umgekehrt gilt: Ein zweites Quartal in Folge mit steigenden Investitionen ohne sichtbaren Ertragshebel könnte die Rotation aus dem KI-Trade beschleunigen.
Wer mit Optionen arbeitet, sollte die hohen Prämien vor den Zahlen einkalkulieren, denn nach dem Termin fällt die implizite Volatilität typischerweise deutlich. Kurslücken über Nacht können Stopps überspringen, und die eingepreiste Bewegung ist eine Spanne, keine Richtungsaussage.
Fazit
Der Abend liefert in vier Stunden mehr Information als mancher Handelsmonat: Zinsentscheid, Pressekonferenz, zwei Schwergewichts-Earnings. Für die Kernfrage, ob der Markt KI-Capex noch belohnt, sind zwei Zahlen entscheidend: das Azure-Wachstum und Metas Investitionsspanne. Am Donnerstag geht es direkt weiter: Dann berichten Apple und Amazon.








