Der Ölpreis klettert weiter: Brent-Rohöl notiert am Dienstag bei 98,93 US-Dollar je Barrel, rund 10 Prozent mehr als noch vor einer Woche. Auslöser ist eine neue Angriffswelle zwischen den USA und Iran in der Straße von Hormus. Für Trader rückt damit die psychologische 100-Dollar-Marke in greifbare Nähe.
Auf einen Blick
Brent-Rohöl: 98,93 USD je Barrel, +1,82 % am Tag, +10 % binnen einer Woche, +49 % seit Jahresbeginn
USA griffen am 6. September drei iranische Tanker bei Kharg Island, Jask und im Golf von Oman an, ein Schiff wurde zerstört
Iran attackierte im Gegenzug drei Tanker in der Straße von Hormus sowie drei weitere den USA zugeordnete Schiffe
Irans Revolutionsgarde (IRGC) droht Schiffen außerhalb "autorisierter" Routen offen mit Angriffen
Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingebrochen: im Zehn-Tages-Schnitt nur noch rund 13 Durchfahrten
Diesel in den USA auf Rekordniveau von 5,85 US-Dollar pro Gallone
Warum das Thema jetzt relevant ist
Tankerangriffe sind für Trader längst kein Randthema mehr. Seit dem 6. September patrouillieren USA und Iran wieder mit scharfer Munition durch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt: Durch die Straße von Hormus läuft ein erheblicher Teil der weltweiten Öl-Exporte. Bricht dieser Nadelöhr-Verkehr weiter ein, trifft das Energiepreise direkt, unabhängig davon, ob jemand Rohstoffe, Aktien oder Devisen handelt. Anfang Juli hatten wir über die erste große Eskalationswelle berichtet (Öl-Schock: Brent-Rohöl schießt nach Hormus-Eskalation hoch), Ende Juli folgte eine kurze Entspannung (Ölpreis-Absturz nach USA-Iran-Deeskalation). Die aktuelle Entwicklung zeigt: Von einer dauerhaften Beruhigung kann keine Rede sein.
Die wichtigsten Zahlen und Ereignisse
Neue Angriffswelle am Wochenende
Am 6. September griffen US-Streitkräfte drei iranische Öltanker an, vor Kharg Island, bei Jask und im Golf von Oman, einer der Tanker wurde dabei zerstört. Iran reagierte mit Angriffen auf drei Tanker in der Straße von Hormus sowie auf drei weitere den USA zugeordnete Schiffe. Die Revolutionsgarden warnten unverblümt: Schiffe außerhalb der von Teheran "autorisierten" Routen würden künftig gezielt angegriffen.
Handelsroute fast leergefegt
Wie stark diese Drohung bereits wirkt, zeigt der Schiffsverkehr selbst: Im Zehn-Tages-Schnitt passierten zuletzt nur noch rund 13 Schiffe die Straße von Hormus, an einzelnen Tagen waren es lediglich fünf. Reeder meiden die Route zunehmend, Versicherer verlangen Kriegsrisikoaufschläge, die Frachtkosten damit spürbar erhöhen.
Ölpreis mit Wochenplus von 10 Prozent
Brent-Rohöl notiert aktuell bei 98,93 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 1,82 Prozent allein am Dienstag und rund 10 Prozent seit vergangener Woche. Auf Monatssicht steht ein Plus von knapp 13 Prozent, auf Jahressicht sind es fast 49 Prozent. Vor Beginn des Konflikts Ende Februar lag Brent noch bei rund 70 US-Dollar. In den USA zeigen sich bereits Folgen an der Zapfsäule: Diesel kostet mit 5,85 US-Dollar pro Gallone so viel wie nie zuvor.
Warum der Ölpreis darauf reagiert
Öl-Trader preisen nicht nur ein, was heute passiert, sondern vor allem das Risiko, was morgen passieren könnte. Eine dauerhafte Blockade oder Sperrzone in der Straße von Hormus wäre ein Angebotsschock historischen Ausmaßes. Der Markt handelt deshalb bereits jetzt eine Risikoprämie ein, obwohl der physische Ölfluss noch nicht vollständig unterbrochen ist. Das erklärt, warum der Preis so schnell auf einzelne Angriffsmeldungen reagiert, während sich an den globalen Fördermengen bislang wenig ändert.
Was Trader jetzt beobachten sollten
Kurzfristig orientierte Trader haben vor allem die 100-Dollar-Marke bei Brent im Blick: Ein nachhaltiger Ausbruch darüber könnte weitere Kaufprogramme auslösen, ein Abprall dagegen frühere Gewinnmitnahmen begünstigen. Wichtige Signalgeber bleiben die täglichen Schiffsverkehrsdaten durch Hormus, weitere IRGC-Erklärungen sowie anstehende OPEC+- und US-Lagerbestandstermine im Wirtschaftskalender. Auch die Reaktion energienaher Aktien und Indizes lohnt einen Blick über die Heatmap, da sich Rohstoff-Bewegungen dort oft zuerst in Sektor-Rotationen zeigen.
Chancen und Risiken
Chancen liegen in der hohen Volatilität, die kurzfristigen Tradern Bewegungsspielraum in beide Richtungen bietet, sowohl bei weiterer Eskalation als auch bei einer erneuten Entspannung wie Ende Juli. Auf der Risikoseite steht vor allem die Unberechenbarkeit des Konflikts: Einzelne Meldungen können den Preis binnen Minuten in beide Richtungen bewegen, die Faktenlage ist oft unklar und teils widersprüchlich. Wer mit CFDs oder anderen gehebelten Produkten auf Rohstoffe setzt, sollte sich der erhöhten Schwankungsbreite und der damit verbundenen Verlustrisiken bewusst sein. Einen Überblick über regulierte Anbieter bietet die Broker-Topliste.
Einordnung für Anleger und Trader
Für Anleger mit längerem Anlagehorizont bleibt der Konflikt zunächst ein Belastungsfaktor für die Inflationserwartungen, ohne dass sich daraus eine pauschale Handlungsempfehlung ableiten lässt. Trader, die aktiv an den Ölmärkten unterwegs sind, sollten Positionsgrößen an die gestiegene Volatilität anpassen und Positionen nicht ungesichert über Wochenenden halten, in denen neue Eskalationsmeldungen zuletzt gehäuft auftraten.
Fazit
Der Tankerkrieg zwischen den USA und Iran hat den Ölmarkt erneut fest im Griff. Mit 98,93 US-Dollar je Barrel ist Brent so teuer wie seit Monaten nicht mehr, die 100-Dollar-Marke rückt in Sichtweite. Ob der Ausbruch gelingt oder der Konflikt wie im Juli erneut abflaut, entscheidet sich an den kommenden Tagen. Trader sollten die Lage in der Straße von Hormus daher engmaschig verfolgen.









