
Kolja Barghoorn war einer der ersten deutschen YouTuber, der Börsenthemen verständlich erklärt hat. Über 700.000 Menschen haben ihm dabei zugehört. Dann wechselte der Kanal die Richtung, und plötzlich sprach er nicht mehr über Dividendenstrategien, sondern über den Great Reset. Was steckt hinter „Aktien mit Kopf", und wie seriös ist der Kanal heute noch?
Auf einen Blick
Gründer: Kolja (Nicolas) Barghoorn, seit 2013
YouTube: über 700.000 Abonnenten, 38+ Millionen Views, 1.200+ Videos
Podcast: über 250 Folgen (Spotify, Apple Podcasts)
Inhalte: Aktien, ETFs, Immobilien, persönliche Finanzen, Fundamentalanalyse
Buch: „Der rationale Kapitalist"
Kontroverse: Politisierung des Kanals seit 2022, Böhmermann-Nennung Mai 2025
Wer steckt hinter Aktien mit Kopf?
Kolja Barghoorn, bürgerlicher Name Nicolas Barghoorn, startet seinen YouTube-Kanal „Aktien mit Kopf" im Jahr 2013. Sein Hintergrund ist für einen Finanzkanal ungewöhnlich: Er hat eine Fitness-Trainerausbildung und studierte Animationsfilm. Einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften besitzt er nicht.
Das verschweigt er nicht. Auf seiner Website schreibt er unmissverständlich: „Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler, kein Anlageberater und auch kein Mathematik-Genie." Sein Motto lautet: „Finanzielle Freiheit durch logisches Denken."

Genau das ist es, womit Barghoorn in den ersten Jahren punktet. Er erklärt KGV, Cashflow-Analyse und Value Investing in einer Sprache, die auch Einsteiger verstehen. In einer Zeit, als es in Deutschland kaum deutschsprachige Finanzinhalte auf YouTube gibt, füllt er eine echte Lücke.
Das Angebot: Was bietet Aktien mit Kopf?
Der Kanal und die Website aktienmitkopf.de bieten eine Mischung aus kostenlosen Inhalten und einem strukturierten Einstieg ins Investieren.
Kostenlose Inhalte
Kern des Angebots sind die YouTube-Videos und der Podcast „Aktien mit Kopf: Investieren für Privatanleger" mit über 250 Folgen auf Spotify und Apple Podcasts. Themen: Aktienanalyse, ETFs, Immobilien, Finanzplanung und Steuern. Wer sich grundlegendes Börsenwissen aneignen möchte, findet hier Material in verständlicher Sprache.
Dazu gibt es ein kostenloses Börsen-Lexikon auf der Website und einen kostenlosen Bonus-Report mit begleitendem Videokurs, zugänglich per E-Mail-Anmeldung.

Wikifolio und Buch
Barghoorn führt ein öffentlich einsehbares Wikifolio-Musterdepot. Wer monatliche Depot-Updates verfolgt, bekommt Einblick in seine tatsächlichen Investmententscheidungen statt leerer Versprechen. Sein Buch „Der rationale Kapitalist" kostet rund 24 Euro und richtet sich an Einsteiger, die einen strukturierten Einstieg in die Aktienanalyse suchen.
Reichweite und Einfluss
In der Spitze zählt der Kanal über 700.000 YouTube-Abonnenten (Stand: Ende 2025). Die Instagram-Präsenz liegt bei rund 58.000 Followern, die Facebook-Community bei etwa 40.000 Mitgliedern. Auf Spotify und Apple Podcasts läuft der Podcast mit über 250 Folgen.
Das macht Barghoorn zu einem der reichweitenstärksten deutschen Finanz-YouTuber seiner Generation. Im deutschen Finfluencer-Ökosystem bewegen sich Kanäle wie Finanzfluss oder Hedgefonds Henning in ähnlichen Zielgruppen, verfolgen jedoch andere inhaltliche Konzepte und Stilansätze.
Was Aktien mit Kopf gut macht
Für die Frühphase des Kanals gilt: Barghoorn liefert solide Finanzbildung für Privatanleger. Er erklärt Fundamentalanalyse verständlich, ohne Fachbegriffe unnötig aufzublähen. Sein Ansatz ist langfristig und wertorientiert, beeinflusst von Value-Investing-Grundsätzen.

Ein klarer Pluspunkt: Barghoorn ist transparent über seine Grenzen. Sein Wikifolio-Depot ermöglicht nachvollziehbare Performance-Einblicke. Der Podcast ergänzt den YouTube-Kanal sinnvoll und geht tiefer in einzelne Themen ein.
Für Einsteiger, die einen kostenlosen Einstieg in Aktien und ETFs suchen, ist der ältere Kanalbestand nach wie vor eine verwertbare Ressource.
Kritik und Kontroversen
Wer Aktien mit Kopf heute bewertet, kommt an einer zentralen Entwicklung nicht vorbei: Der Kanal hat sich inhaltlich grundlegend verändert.
Der politische Wandel
Seit etwa 2022 tritt Barghoorn zunehmend als politischer Kommentator auf. Wirtschaftsthemen vermischt er mit Narrativen, die politisch weit rechts eingeordnet werden: Kritik am „Great Reset", an staatlichen Institutionen, AfD-Nähe. Er erklärt öffentlich seine Unterstützung für die AfD und ist in politischen Podcasts aktiv.
Das ist sein Recht. Für Nutzer, die den Kanal wegen Aktienanalyse aufgesucht haben, ist der inhaltliche Bruch erheblich. Teile der langjährigen Follower-Community haben sich abgewendet.
Die Böhmermann-Kontroverse
Im Mai 2025 nennt Jan Böhmermann Barghoorn in seiner Sendung „ZDF Magazin Royale" im Kontext rechtsextremer YouTuber im Umfeld der AfD. Daraufhin löscht Barghoorn nach zeitgenössischen Medienberichten über 600 Videos aus seinem Kanal, rund 20 Prozent seiner Inhalte mit geschätzten 114 Millionen kumulierten Views (Quelle: s. Quellenabschnitt).

Barghoorn bezeichnet die Böhmermann-Kritik öffentlich als „bezahlte Verleumdung" durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (Quelle: Facebook-Profil kolja.barghoorn sowie eigene YouTube-Reaktionsvideos, Mai 2025). Die Debatte verlief polarisiert: Unterstützer sehen in ihm einen verfolgten Meinungsmacher, Kritiker sehen in den Löschungen eine Reaktion auf nicht haltbare Inhalte.
Fachliche Kritik
Unabhängig vom politischen Diskurs gibt es inhaltliche Einwände. Der Ökonom Maurice Höfgen hat auf fachliche Ungenauigkeiten in Inhalten zum Geldsystem und zur Inflation hingewiesen (Quelle: kagels-trading.de, Analyse „Aktien mit Kopf"). Affiliate-Links auf der Website und in Videos können grundsätzlich die Neutralität von Empfehlungen beeinflussen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal bei Finanz-YouTubern, aber ein Faktor, den kritische Nutzer einkalkulieren sollten.
Was Trader und Anleger konkret wissen sollten
Für Einsteiger ohne Vorkenntnisse bieten ältere Inhalte des Kanals noch immer einen handhabbaren Einstieg in Grundlagen der Aktienanalyse. Wer gezielt nach aktuellen politischen Einschätzungen sucht, nutzt Barghoorn in einer anderen Funktion als ursprünglich angelegt.
Für aktive Trader ist die Kanalausrichtung eher peripher. Die Inhalte zielen auf langfristige Privatanleger, nicht auf kurzfristige Handelsstrategien, Chartanalyse oder diskretionäres Trading. Das Wikifolio ist öffentlich einsehbar und kann als Vergleichspunkt dienen. Eigenständige Due Diligence bleibt dabei unverzichtbar.
Fazit
„Aktien mit Kopf" ist ein Pionier der deutschen Finanzbildung auf YouTube, dessen Reputation sich in den letzten Jahren erheblich verändert hat. Fachlich bietet der Kanal solide Grundlagen für Einsteiger, sofern man die älteren Inhalte heranzieht und die Grenzen eines autodidaktischen Finanzkanals kennt. Die politische Neuausrichtung und die Böhmermann-Kontroverse 2025 haben den Kanal in einem deutlich anderen Licht erscheinen lassen als 2013. Wer Finanzbildung ohne politischen Begleitdiskurs sucht, findet bei anderen deutschen Kanälen möglicherweise klarere Trennlinien.







